Nachmittagstee und Menschenjäger

Addison stolperte beinahe als sie über die Schwelle ins Teehaus trat. „Scheiße“, zischte sie durch ihre zusammengebissenen Zähne und hielt sich im letzten Augenblick am Türrahmen fest. Der auf dem Boden herumliegende Mörtel und die umgekippten Stühle machten ihren Gang durch das Lokal zu einem Hindernisparcours, der dank ihrem verletzten Bein auch nicht einfacher zu bewältigen war. Connor, der keinen Meter hinter ihr herging, fragte beunruhigt: „Alles okay?“
„Nein, verflucht, jemand hat mir ins Bein geschossen! Glaubst du denn, dass ich voller Übermut herumrenne?“, gab sie zurück. Im nächsten Augenblick bereute sie, ihren Weggefährten angefahren zu haben und fügte hinzu: „Sorry. Schauen wir, ob wir irgendwo Verbandsmaterial finden können.“ […] Weiterlesen

Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor | Der Waldweg

Dies ist der 5. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor“.

Die letzten vier Tage, die sie auf der Farm verbracht hatten, waren wunderbar gewesen und am Morgen des Aufbruchs, hatte sich Tess wie neu geboren gefühlt. Sie hatte nicht nur in einem richtigen Bett schlafen können, ein Luxus, den sie früher nie zu schätzen gewusst hatte, sondern sie hatte sich auch einigermaßen sicher gefühlt und war in den Nächten nur ein- bis zweimal erschrocken aufgewacht. Natürlich konnte auch das gemütlichste Bett ihre Alpträume nicht vertreiben, aber so war es nun halt in dieser grotesken Zombie-Welt; niemand schlief ohne böse Träume und während man früher […] Weiterlesen

Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor | Der Straßengraben

Dies ist der 4. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor“.

Bisher hatte sich niemand von ihnen die Zeit dazu genommen über das Warum nachzudenken; Alles war so unerwartet passiert und hatte über Nacht die Parameter des Lebens derart auf den Kopf gestellt, dass diese eigentlich so offensichtliche Frage schlichtweg nie angesprochen worden war. Doch nun, nach beinahe einem viertel Jahr, gab es in Tess‘ Kopf keinen anderen Gedanken mehr.
„Können wir diese leidige Diskussion endlich lassen?“, wollte Barbara, erschöpft vom langen und von  Clints nie enden wollenden Theorien untermalten Marsch, endlich wissen. […] Weiterlesen

Weihnachts-Special | Das NOVA-Signal – Ein postapokalyptisches Weihnachtsmärchen

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Der alte Wohnwagen vom Typ „Mule“ rumpelte über die von unzähligen Schlaglöchern gespickte Landstraße in New Jersey. Ich mochte diese öde und deprimierende Gegend nicht besonders, doch wo gab es heutzutage noch schöne Orte, fragte ich mich während ich das Gefährt, das schon bessere Zeiten gesehen hatte durch die Einöde lenkte. Ein kurzer Blick auf den Chronometer am Armaturenbrett verriet mir, dass die Zeit wirklich langsamer abzulaufen schien, wenn man sich langweilte: Es war noch immer der 23. Dezember 2412 und die Minuten schienen nur schleppend zu vergehen. Die Luft war trocken und es war sicher fünfzehn Grad warm, also einigermaßen […] Weiterlesen

Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor – Die Passarelle

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Hoffe auf das Beste, aber bereite dich auf das Schlimmste vor“.

„Ich bin noch immer der Ansicht, dass es eine schlechte Idee war“, flüsterte Tess, währendem sie das mächtige Gesäß betrachtete, das im Takt der Schritte der fremden Frau hin und her wankte. Clint rollte für ihren Geschmack etwas zu theatralisch mit den Augen und entgegnete stur, dass er nicht mehr weiter darüber diskutieren wollte, doch sie konnte die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen und nickte abschätzig in die Richtung der beiden anderen, die einige Meter vor ihnen marschierten. „Die Situation ist schon schwierig genug, auch ohne die beiden, die uns aufhalten.“ […] Weiterlesen

Im Zeichen der Giraffe

Das Zirpen der Zikaden war laut zu hören und schien die Abenddämmerung zu erfüllen, zusammen mit dem schweren, süßlichen Duft der blühenden Büsche, deren Namen Mal nicht kannte. Er warf einen Blick zu Liv hinüber, die sich eben eine Zigarette angezündet hatte, und fragte dann: „Wieder ein ereignisloser Abend?“
Sie sah erstaunt auf und schien aus ihrer geistigen Abwesenheit aufzuwachen, dann antwortete sie: „Jep. Wer will denn hier draußen schon  etwas anstellen?“
Mal vernahm ein entferntes Geräusch, das er nicht einordnen konnte und griff nach dem Fernglas, das er sich über das abgewetzte Hemd im Army-Look gehängt hatte. „Was ist das?“, murmelte er leise.
Liv hatte ihre Kippe ausgetreten und ihr Gewehr gehoben. „Ich gebe dir Deckung“, […] Weiterlesen

Letzte Tage

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Mary rennt und kann fühlen wie der Schweiß auf ihrer Stirn perlt und ihr in die Augen rinnt. Sie weiß nicht, wie lange sie sich hier noch verstecken kann. Es ist dunkel, sehr dunkel und sie findet sich nur deshalb zurecht, weil sie den Ort wie ihre Westentasche kennt. Trotzdem, es gibt nicht so viele Kammern hier und ihr Atem ist laut, ihre Schritte hallen unangenehm wider, es ist bloß eine Frage der Zeit, bis sie gefunden werden wird und sie ist sich sicher, dass dies keine Miesmacherei ist, nein, ihre Lage ist wirklich so übel. „Hier hätte ich doch sicher sein sollen“, dachte sie sich in dem Moment, als sie ein Schemen aus dem Nichts heraus anspringt und sie fühlen kann, wie ihr warmes Blut […] Weiterlesen

Das kleine ABC

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ernest sah sich in dem weiß gestrichenen Raum um, der schon für viele Jahre sein Labor gewesen war. Nun war die Anlage, die tief unter der Erde lag und hermetisch abgedichtet werden konnte, um eine Verfälschung der Resultate anzuschließen, umfunktioniert worden. Die Tische und Geräte waren an die Wände geschoben worden, wo sie am wenigsten im Weg standen und Ernest hätte sowieso nicht mehr forschen können, weil die Stromversorgung zusammengebrochen war und bloß noch das Notstromsystem funktionierte, das von den Solarpanels gespeist wurde. Immerhin reichte das noch für etwas Licht, den Fernseher und die Küche, dachte er leicht […] Weiterlesen

Unnatürliche Auslese

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ann saß auf dem alten Spitalbett und fragte sich, wie lange es dauern mochte, bis der Arzt wiederkam. Das Krankenhaus war beinahe verlassen, sie gehörte zu den letzten, die noch nicht evakuiert worden waren; vermutlich wurde sie nicht mit Priorität behandelt, weil sie keine Kinder hatte. Sie blickte sich in dem kargen Raum um, an dessen Wänden bereits die grünliche Farbe abzublättern begann und vor dessen Fenstern ein einziger kahler Baum in der nuklear verseuchten Einöde stand, die einst die Hauptstadt gewesen war. Sie streckte sich und konnte fühlen, wie ein scharfer Schmerz durch ihre Hüften fuhr – das Schrapnell war zwar entfernt worden, doch die […] Weiterlesen

Postapokalyptischer Läufer

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Das Geräusch, das seine etwas in die Jahre gekommenen Laufschuhe bei jedem seiner Schritte machten, wurde vom Rascheln der Büsche hinter den weißen Lattenzäunen beinahe ganz verschluckt. Er rannte schon seit einiger Zeit und seine Beine waren müde, sein Gesichtsausdruck erschöpft geworden, doch er konnte es sich nicht erlauben, langsamer zu werden und so trieb er seinen Körper stetig vorwärts. Wenn alles gut laufen würde, würde er die kleine Arztpraxis in einigen Minuten erreichen können, aber Daniel vermied es davon auszugehen und bemühte sich sehr, trotz seiner erschlagenden Müdigkeit wachsam zu bleiben. […] Weiterlesen