Fan-Bonus | Touristenprobleme

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Mirnham saß auf einer Parkbank und starrte auf die von Grünspan besetzte Statue irgendeines männlichen Menschen, der vor langer Zeit irgendwas Besonderes geschafft haben musste. Dies war sein erster Besuch in New York und er hatte sich vorgenommen, jede Sekunde davon zu genießen, immerhin hatte man nur selten die Chance dazu, an einem völlig neuen Ort[passster password=“rE498-4721dsf“] zu sein. Ihm gefiel es hier, all die Leute, die durcheinanderwuselten und ihrem Tag nachgingen, die man beobachten konnte. Im Kaff am anderen Ende der Milchstraße, das er vor einem Monat besucht hatte, war es da bedeutend langweiliger gewesen. An die Aussenhülle seines menschlichen Körpers hatte er sich noch nicht wirklich gewohnt, genauso wenig an den Translatorenblob in seinem Innenohr. Wie jedes Mal, wenn er einen bewohnten Planeten besuchte und sich als die heimische Spezies ausgab, brauchte die Transformation einige Stunden Gewöhnung, aber das war es wert, diesen kurzen Abenteuerurlaub zu genießen. Es war ein kurzer Aufenthalt, denn das Mutterschiff bräche schon in wenigen Stunden nach Proxima Centauri auf, also musste er das beste aus der Zeit machen, die er auf der Erde hatte. Da er keine Ahnung hatte, wie man sich auf dieser Welt am besten unterhielt, winkte er dem erstbesten Passanten zu und erkundigte sich: „Entschuldigen Sie, der werte Humanoide. Was machen Menschen hier so, um Spaß zu haben?“
„Hä?“ Der Mann blieb stehen und starrte ihn verwirrt unter seinem Kapuzenpulli hervor an. „Willste was kaufen oder was?“
„Sicher, wenn es Spaß macht“, meinte Mirnham und zog seine Brieftasche hervor, die er vor seiner Reise auf der Erde vom Tourismusbüro des Mutterschiffs erhalten hatte. Souvenirs kaufen klang immer gut, er hatte sein ganzes Apartment auf dem Schiff mit Krimskrams dekoriert. „Was bekomme ich für …“, er pulte einen Schein heraus und starrte auf die ihm fremden Symbole darauf, „… dafür?“
Der Mensch nahm ihn entgegen und auf seinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. „Dafür? Gras, H, was auch immer du willst.“
Mirnham überlegte kurz. „Gras ist typisch für diesen Planeten, habe ich gelesen, soll überall wachsen. Ich nehme Gras.“
Verwirrt starrte den Dealer auf die Büschel Rasen unter der Parkbank, sah dann auf und überreichte Mirnham ein Säckchen mit grünem, getrocknetem Zeug. Der Tourist nahm es an, öffnete seinen Koffer und steckte es herein, vorfreudig, damit seine Wand über der Schlafröhre zu dekorieren. „Dankewohl, werter Mithumanoider.“
„Öh … bitte.“ Damit schritt der Mensch von dannen, fasziniert den grünen Schein musternd, den Mirnham ihm gegeben hatte.
Mirnham machte sich darüber keine Gedanken, er wusste, in seinem Koffer war noch Platz für einige Souvenirs von diesem Planeten. Diese gelben Rolldinger, in denen die Menschen offenbar saßen und die sie so mochten, dass sie ihnen zuwinkten, wären nett, trotzdem leider zu groß für seine Kabine. Vermutlich musste er etwas kleineres finden. Gerade, als er sich erheben wollte, ließ sich neben ihm eine Frau in Leggings und Tank-Top nieder, die keuchte: „Ich bin zu alt für den Shit.“
„Kot?“ Mirnham war verwirrt, was sie mit einem Lachen konterte: „Jogging.“
Dieser Translatorenblob taugte nichts, er kannte das Wort „Jogging“ nicht, also musste Mirnham raten und kam aufgrund ihrer aktuellen Tätigkeit auf die naheliegende Antwort: „Im Park sitzen?“
„Definitiv weniger anstrengend“, kicherte sie, erhob sich wieder und stellte einen Fuß auf die Bank, ehe sie sich zu strecken begann. Er hoffte inständig, dies sei kein kurioses Paarungsritual von Menschen und wechselte daher rasch das Thema. „Ich brauche noch ein Souvenir, um den Koffer zu füllen. Haben Sie Ideen?“
Die Joggerin unterbrach sich und starrte ihn komisch an. „Keine Ahnung, ne Kaffeetasse?“
„Hm, passt nicht wirklich zum Gras. Ich habe schon Gras.“ Damit deutete er stolz auf seinen Koffer.
Nun brach sie endgültig in Gelächter aus. „Das erklärt einiges.“ Sie überlegte nochmals, ehe sie ergänzte: „Also ich habe ja immer Hunger, wenn ich Gras intus hab. Nimm was zu essen.“
„Nein, das bringe ich niemals durch unsere Einreisekontrolle.“
„Na dann, keine Ahnung – ich esse meist Toast, kannst dir ja einen Toaster kaufen und dann das Brot zuhause reinstecken.“ Sie lachte weiter, wirkte ihm kurz zu, wandte sich ab und rannte von dannen. Mirnham sah ihr hinterher. „Nette Person, doch wieso rennt sie weg? Menschen sind komisch. Egal, ich sollte einen Toaster kaufen, nur, wo finde ich den?“ Nachdenklich musterte Mirnham den Verkehr, als ihm etwas auffiel: Sie hatte gemeint, dass man Gras einnehmen könne und er hatte Hunger. Vielleicht würden die Lebensmittelkontrolleure auf dem Mutterschiff ihn gar nicht mit Gras einreisen lassen, besser, er aß es jetzt gleich und genoss den Geschmack des einheimischen Lebensmittels. Er machte wieder seinen Koffer auf, nahm den Beutel heraus, öffnete den Mund und schluckte ihn herunter. Er musste etwas würgen, ehe er durch die Speiseröhre in den oberen Glubborsack seines Verdauungstrakts wanderte. Wieso hatten Menschen nur so enge Speiseröhren, überlegte er sich, schloss den Koffer wieder und trug ihn mit auf die Straße. Er würde nun so lange durch die Gegend schlendern, bis er einen Toaster fand, was auch immer das für ein Lebensmittelzubereitungsgerät war, und dann den mit zum Mutterschiff nehmen, das wäre die beste Idee. Mit einem Mal hielt er an und ihn überkam eine Klarheit, die er noch nie seit seiner Erzeugung in den Klonungs-Tanks gefühlt hatte. Es war, als hätte das Gras, das nach zehn Sekunden zweifelsohne verdaut war, all seine Sinne verändert. Ihm war ungewohnt wabrig, so als könnte er nicht mehr geradeaus gehen, aber all seine Gedanken waren fokussiert und zugleich lustig. Ein toller Snack, befand er und blieb stehen. Diese Welt machte mit einem Mal Sinn und war nicht mehr fremd, die Menschen, die Gerüche, alles war logisch. Mirnham rannte zum nächstbesten Menschen, den er sah, umarmte ihn und rief: „Die Erde ist toll, ihr habt einen genialen Planeten, Freund! Weißt du, wo ich einen Toaster finde?“
Der Cop, dem Mirnham eben um den Hals gesprungen war, kratzte sich an der Nase und fragte seinen Begleiter: „Nehmen wir den mit zur Wache?“
„Nee, ist gleich Schichtende“, meinte der andere und wandte sich an den Touristen. „Da drüben ist ein Warenhaus, Sir, da hat es Toaster.“
„Toll, ich nehme einen mit aufs Mutterschiff“, frohlockte der Tourist und rannte in Richtung des Ladens davon. Erst nach mehreren Metern blieb er stehen und wandte sich zu den Cops um: „Entschuldigung, die Humanoiden, ich habe meine Manieren vergessen. Unter anderen Umständen nähme ich die Einladung, euch auf der Wache zu besuchen, gerne an. Heute könnt ihr mich schlecht mitnehmen, ich reise gleich ab.“ Damit rannte Mirnham endgültig davon, um sich ein würdiges Souvenir, das diese Welt symbolisierte, zu besorgen.

Autorin: Sarah
Setting: New York
Clues: Kaff, Büschel, Klarheit, Toaster, Grünspan
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