Die vierte Clue Writing Challenge

Liebe Leser, Schreiber und Literaten,

na, erinnert ihr euch noch an unsere Clue Writing Challenges, die bisher unter dem Namen „Clue Writing Blogparade“ zum Mitschreiben eingeladen haben? Wenn nicht, wollen wir so freundlich sein und euch kurz erzählen, was wir hier veranstalten:

Zweimal jährlich rufen die Clue Writer unsere ganze Leserschaft, nein, die ganze Welt des geschriebenen Wortes zum Mit-Clue-Writen auf! Im Herbst/Winter werdet ihr dazu angestachelt, eine klassischen Clue Writing Geschichte nach Stichworten zu verfassen, im Frühling/Sommer dagegen servieren wir euch eine Titelvorgabe, ähnlich unserem Literaturwettbewerb. Und da der spät-kalte Frühling nun endlich Einzug in unsere Schreibstuben hält, wollen wir heiter sagen: Es ist soweit, der Startschuss zur Clue Writing Challenge fällt!

Wir bitten alle begeisterten Schreiberlinge und solche, die es werden wollen, uns die Ehre zu erweisen und von heute bis zum 29. Juli 2016 eine Clue Writing Kurzgeschichte mit dem unten vorgegebenen Titel zu verfassen und sie danach bei euch zu veröffentlichen. Wie es sich gehört, stiften wir euch nicht bloss zum Schreiben an, sondern wollen euch für diese noble Tätigkeit ordentlich mit Lob und Beglückwünschungen gratulieren. Am 31. Juli werden wir all eure Beiträge in einer Sammlung unserer Leserschaft vorstellten und uns gemeinsam an ihnen erfreuen! Die Clue Writing Challenge bietet alles, was sich Schreib- wie Lesehelden wünschen können.

Selbstverständlich habt ihr freie Hand darüber, in welchem Genre ihr schreiben wollt, ob ihr Lyrik oder Prosa bevorzugt und was in eurer Kurzgeschichte so alles passieren, zu Bruch gehen, entflammen, zusammenkommen, in die Irre führen oder auf den Punkt kommen soll. Um eine Kleinigkeit wollen wir euch dennoch anflehen – man nehme es uns nicht übel. Ein kleiner Besuch auf unserer Seite mit den Regeln, denen eine waschechte Clue Writing Geschichte verpflichtet ist, kann kaum schaden. In erster Linie geht es uns dabei um die Längenvorgabe von 870-1700 Worten sowie die winzige jedoch zwingende Tatsache, dass eure Story zum vorgegebenen Titel passen sollte.

Finden alle den Weg zu den Vorgaben? Ja? Wunderbar, dann wollen wir euch die Titel für die diesjährige Frühlings Clue Writing Challenge mit Fanfaren, Pauken und Tröten, pardon, Trompeten überreichen. Ja, ihr habt richtig gelesen, die Titel. Ihr habt die freie Wahl, nach welcher Titelvorgabe ihr schreiben möchtet und natürlich könnt ihr auch zu beiden Titeln einen Beitrag verfassen, wenn eine Story nicht genug ist!

Erste Titelvorgabe: Biedermann und die Brandmelder
Zweite Titelvrogabe: Der Kinobesuch der alten Dame

Aber wie findet eure fertig getippte Story den Weg zu uns? Ganz einfach: Veröffentlicht eure Kurzgeschichte auf euren Seiten. Ob ihr dies auf einer eigenen Seite, eurem Blog oder einer anderen Plattform wie Wattpad tut, spielt dabei keine Rolle – wichtig ist lediglich, dass sie öffentlich zugänglich bleibt und mit einem Direktlink unter diesem Beitrag verlinkt werden kann. Seid so lieb und vertraut dabei nicht auf Pingbacks, sondern hinterlasst uns ein paar Worte in einem Kommentar – nur so können wir garantieren, dass bestimmt niemand durch den Spam-Filter purzelt oder sonst wie verlorengeht.

Mitmachen ist für uns Clue Writer, na klar, ebenfalls Ehrensache. Sarahs Beitrag wird am 27. Mai, derjenige von Rahel am 26. Juli erscheinen.

Man sagt, Literatur solle ihrer selbst Willen zelebriert werden und wir stimmen da zwar zu, können es allerdings nicht lassen, euren Schreibeinsatz mit einer fabulösen Gewinnchance zu belohnen. Unsere ehemalige Interviewpartnerin und Chefin vom Verlag die Waage, Greta Goeke, hat zwei grandiotastische Buchpakete und sogar Trostpreise für euch zusammengestellt, denen es weder an Vielfalt, noch Exklusivität fehlt. Mit Schreibeifer zu ergattern sind die folgenden Werke:

Das erste Paket besteht aus fünf Bänden der Reihe von Pu Sung-ling – „500 Geister- und Liebesgeschichten“:
Pu Songling all 1Das zweite Paket enthält alle Originalausgaben in Leinen der berühmten Richter Di Kriminalromane:

RichterDi

Damit aber nicht genug, denn der Verlag die Waage hat eine weitere grandiotastische Überraschung für euch in Petto: Jeder Teilnehmer, der nicht gewonnen hat, ja, jeder, darf sich einen Titel aus ihren hauseigenen Perlen aussuchen – wie wir sagten, grandiotastisch! Darunter befinden sich die vier folgenden Schätze, zwischen denen ihr die Qual der Wahl habt:

Blumenzauber – Eine taoistische Novelle
Willem Enzinck: Die Schleiersprache
Ingrid Bachér: Das Karussell des Einhorns
Ramón del Valle-lnclán: Sommersonate

Trostpreise

Teilnehmen ist denkbar einfach: Erwähne in dem Kommentar, in welchem du deinen Beitrag verlinkst, einfach, welches der beiden Pakete du gewinnen möchtest sowie welches Buch dein bevorzugter Trostpreis wäre. Achtung: Nur Teilnehmer, welche ihre gewünschten Preise nennen sowie eine aktuelle E-Mail-Adresse eingeben, können bei der Verlosung berücksichtigt werden! Mehr zu den Buchpaketen erfahrt ihr auf der Verlagswebsite sowie in dieser Übersicht.

Unser herzlicher Dank inklusive Kotau für diese grosszügige Unterstützung der Clue Writing Challenge geht an Greta Goeke, deren Herz für literarische Kostbarkeiten schlägt. Xièxiè, Greta!

Nach drei erfolgreichen Aktionen ist dies bereits die vierte Clue Writing Challenge, sodass wir mit stolzgeschwellter Brust von einer Tradition sprechen können. Damit ihr auch künftig eure Beiträge leicht findet, präsentieren wir alle bisherigen Challenges auf einer Übersichtsseite. Zudem müsst ihr nicht fürchten, die Zusammenfassung zu verpassen, selbst wenn ihr euch keine Daten merken könnt – der wöchentliche Clue Writing Newsletter erinnert sich gerne für euch an alles, was wir so anstellen!

Sind Fragen, Anregungen, Kritik, Wünsche oder das Bedürfnis, euch mit uns zu unterhalten übriggeblieben? Wir freuen uns über eure Kontaktaufnahme oder eine ungezwungene Plauderei auf Facebook, Twitter, Google+, Tumblr oder YouTube. Gespannt auf eure Geschichten sitzen wir in den Startlöchern und können es kaum erwarten, von euch zu hören, pardon, lesen. Bis dahin wünschen wir viel Spass beim Nachdenken, Plotten, Schreiben und Teilen.

Mit lieben Grüssen und grandiotastischen Wünschen
Eure herausfordernden Clue Writer,
Rahel und Sarah

38 Gedanken zu „Die vierte Clue Writing Challenge

  1. Hallo ihr Clue Writer!

    Sozusagen „kurz vor knapp“ habe ich es auch noch geschafft, eine Geschichte zum „Kinobesuch der alten Dame“ zu schreiben. Inhaltlich geht das mal wieder in eine ganz andere Richtung als die, in der ich zuletzt vornehmlich unterwegs war. Alleine dafür hat sich das mitmachen schon gelohnt!

    Für den Gewinnfall entscheide ich mich für den ‚Richter Di‘. Und als „Trostpreis“, wenn man das so nennen kann, würde ich mich über das ‚Einhorn‘ freuen.

    Stichwort freuen: Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Challenge!

    Liebe Grüße
    Michael

    • Hallo liebe Carola,
      hui, das freut uns ja megalotastisch, unsere Twitter-Bekanntschaft literarisch vertiefen zu können – grosses Kino, dear fellow whovian! :)
      Wir freuen uns schon sehr auf die Lekütren und wünschen dir viel Glück bei der Verlosung! :)
      Mit lieben Grüssen und den besten Wünschen
      Für die Clue Writer
      Sarah

    • Hallo liebe Viola Rosa,
      wir freuen uns sehr, mit dir eine weitere „alte Bekannte“ aus „Kurz“ bündig im Kino begrüssen zu dürfen! Schon auf die Lektüre gespannt und die Daumen für deine Gewinnchancen drückend grüsst
      Für die Clue Writer
      Sarah

    • Hallölöle, habe ganz vergessen meine Wünsche mitzuteilen. Falls ich zu den Gewinnern gehöre, dann gerne die Krimiromane, falls es ein Trostpreis wird gerne Blumenzauber. Danke und es Grüssli Heigo

    • Hallo liebe Heigo,
      hab megalotastischen Dank für deinen Beitrag, den wir uns schon zu lesen freuen! Für die Verlosung wünschen wir dir natürlich viel Glück und drücken die Daumen – es wird spannend bis zum 29ten :)
      Mit lieben Grüssen und den besten Wünschen
      Für die Clue Writer
      Sarah

    • Hallo liebe Andrea,

      wir möchten dir danken, warst du bei der vierten Clue Writing Challenge mit von der Partie und freuen uns schon sehr auf die Lektüre!
      Für die Verlosung wünschen wir natürlich viel Glück :)

      Mit lieben Grüssen und den besten Wünschen
      Für die Clue Writer
      Sarah

  2. Pingback: Der Kinobesuch der alten Dame –

    • Hallo lieber Timo,
      vielen Dank, dass du bei der Clue Writing Challenge mitgemacht und sogleich beide Titel kombiniert hast – wir freuen uns schon sehr auf die Lektüre und drücken dir für die Verlosung die Daumen :)
      Mit lieben Grüssen und den besten Wüsnchen
      Für die Clue Writer
      Sarah

    • Hallo liebe Andrea,

      hab vielen Dank für deinen Beitrag! Wir freuen uns und sind schon sehr gespannt :)

      Mit lieben Grüssen und den besten Wünschen
      Für die Clue Writer
      Sarah

  3. Liebe Grandiotastinnen,
    ich habe ein wenig zu „Biedermann und die Brandmelder“ geschrieben. Nachzulesen hier: https://www.wattpad.com/story/77298449
    Beim Trostpreis wäre ich für „Blumenzauber“ zu begeistern. Im Fall des Hauptgewinns hätte ich gern die „500 Geister- und Liebesgeschichten“.
    Bleibt so nett!
    Freddy (freddy.elting@freenet.de)

    • Hallo lieber Freddy,
      hab vielen Dank für deine Einreichung, wir freuen uns schon megalotastisch auf die Lektüre :) Deine Gewinnwünsche sind natürlich so vermerkt und ich drücke dir die Daumen!

      Mit lieben Grüssen aus den Räumen des Clue Writing Medienimperiums
      Sarah

  4. Hallo ♥ Bei mir ist der Kinobesuch der alten Dame geworden. Alles Liebe von Claudia (CJ.Schulze@gmx.de)

    Der Kinobesuch von Elsie war kein Kinobesuch im herkömmlichen Sinn.

    Weder stand sie in der Schlange der Wartenden, welche sie von außen durch die großen Glasscheiben des neuen, erhellten Kinopalastes sehen konnte, noch erfreute sie sich an einer der nach Wärme und Zucker duftenden Tüten, die gleich neben dem Einlass zum Verkauf angeboten wurden.

    Den Geruch freilich nahm sie von außen ebenso wenig wahr wie die Wärme, die Ausdünstungen nasser Mäntel oder die Atmosphäre sehr verhaltender, nahezu dumpfer Vorfreude, welche ihre beinahe schon gelangweilte Gelassenheit dem Umstand zu verdanken hatte, dass ein Kinobesuch heutzutage nichts Besonderes mehr war.

    Weder die Filme noch das Popcorn und auch nicht die übermäßig laut eingestellten Boxen in den Vorführsälen oder die schnellen Schnittabfolgen. die sich auf den gigantischen Bildschirmen abspielten, konnten von dieser, wie sie fand, Unerfreulichkeit der Moderne ablenken.

    Durch die Helle des Innenraums spiegelte sich ihr Gesicht nicht in der Scheibe, was sie immerhin ein wenig milder stimmte, denn noch immer konnte sie sich nicht daran gewöhnen, dass ihr das Gesicht einer alten Dame entgegen sah, wann immer sich ihre Blicke ohne Vorwarnung auf die glatte Lüge einer reflektierenden Oberfläche begaben.
    Es konnte doch schlichtweg nicht sein.

    Sie, die sich auch jetzt noch ganz jung fühlte, selbst wenn sie sich ab und an eingestehen musste, dass sie den Anschluss an die neue Zeit schon vor Jahren verpasst hatte.

    Doch, wie sie fand, hatte dies durchaus nichts mit dem Alter zu tun – vielmehr mit Stil. Ja, Stil hatte Elsie, davon war jedermann, der sie kannte, einigermaßen schnell zu überzeugen. Dieses neue, jeglicher Phantasie entsagende Kino beispielsweise würde sie nach allem, was es so grell von sich preisgab, niemals wieder betreten. Noch nicht einmal um sich im Foyer aufzuwärmen.

    Und dennoch, trotz der Tatsache, dass sie, für die Jahreszeit zu leicht bekleidet doch immerhin mit einem recht rustikalen Regenschirm versehen, lediglich von außen in das Kino hineinsah, empfand sie sich selbst als Besucherin.

    An dieser Stelle, an der vor Jahren das alte Kino gestanden hatte, welches dem viel größeren und moderneren Gebäude gewichen war, hatte sie einen einzigen Film mit Antonio gesehen, dem Mann, bei dessen Beerdigung sie am vergangenen Freitag in einer der hinteren Reihen gesessen hatte. Nur einen einzigen Film.

    Abgesehen davon war er es gewesen, der jeden Samstag und auch unzähligen Sonntagen in die Vorführräume gekommen war, ohne Popcorn oder Eis, einfach nur um die Filme ganz und gar in sich aufzunehmen.

    Sie selbst war über viele Jahre Zeugin dieser kleinen und großen Ereignisse gewesen, da sie an der Kinokasse alles sah. Sie las die Vorfreude in den Blicken der Gäste, sie sah ihnen Erleichterung, Verzückung, Entsetzen oder Trauer an, sobald die Vorstellungen vorbei waren, und die Zuschauer an ihrem Verkaufsstand vorbeigeströmten, noch nicht wieder ganz angelangt in der Welt, die draußen vor der Lichtbildhalle auf sie wartete.

    Bei Antonio, das war nie zu leugnen, hatte es sich immer um ein großes Ereignis gehandelt. Vom ersten Augenblick, der sich zwischen ihnen beiden zu einer Begegnung verdichtet hatte, die ihr mit Worten zu beschreiben unmöglich war.

    Auch nicht der Abspann einer noch so romantischen Filmmusik, die sie auf den Gängen nach dem Ende der Vorführungen hören konnte, waren auch nur im Ansatz geeignet gewesen die Qualität dieses ersten Blickes musikalisch wiederzugeben.

    Nichts, außer der Blick selbst, war imstande zu beschreiben, auszudrücken was in ihm lag.

    So war er ihr ans Herz gewachsen. Mehr als sie es sich selbst gewagt hatte einzugestehen. Sogar seinen Schritt hatte sie gekannt, den leicht beschwingten und dennoch zugleich verhaltenen Takt, mit dem er sich, weit abgeschlagen von der Masse der Anderen wieder aus der Geborgenheit des Saals ins Freie getastet hatte.

    Manche liefen schnell, auch heute noch. Sie konnte es durch die großen Fenster sehen. Andere wiederum ließen sich Zeit, doch schien in den heutigen Tagen niemand mehr so verträumt und in sich gekehrt zu sein wie früher.
    Zu schnell kam der Alltag offenbar zurück. Bei Antonio war dies gänzlich anders gewesen.

    Viele lange Minuten hatte er traumverloren im Foyer gegenüber vom Kartenhäuschen gesessen, unfähig etwas Anderes um ihn herum wahrzunehmen. Dann, nach einer gewissen Zeit, die, unabhängig vom jeweiligen Film, immer etwa gleich lang gewesen zu sein schien, waren sich ihre Blicke begegnet.

    So fühlt sich wohl eine Krankenschwester oder Ärztin, die plötzlich vom erwachenden Blick eines Bewusstlosen getroffen wird.

    So hatte sie dies zumindest des Öftern empfunden. Zudem war es kein alltäglicher Blick gewesen.

    Der Blick dieses Mannes hatte sie zeitlebens bis ins Innerste bewegt.

    Sicherlich war er dem Blick eines Cary Grant oder eines Clark Gable ebenbürtig, verstärkt noch durch die Tatsache, dass dieser Blick hier nicht gespielt war, kein großes Kino, sondern der Blick eines Mannes, hinter dem sich eine Schönheit verbarg, für die die meisten wohl nicht empfänglich gewesen wären, war doch sein restliches Äußeres beim ersten Hinsehen eher nichtssagend, sein Gesicht zudem häufig halb von einem tief herunter-gezogenen Hut verdeckt, die Statur kleiner als es üblicher-weise einem Mann zugekommen wäre.

    Ein zweites Mal sahen vermutlich wenige bei ihm hin, doch auch das war etwas, was Elsie nicht nachvollziehen konnte. Für sie war Antonio über die Jahre zu einem immer größeren Lichtblick geworden, der ihr in Gedanken schon Stunden vor seinem tatsächlichen Erscheinen den Tag zu erhellen imstande war.

    An einigen Tagen fragte sie sich, warum sie ausgerechnet in einem Kino arbeitete. In solchen Augenblicken fiel ihr gelegentlich ihre Mutter ein. Ihre Mutter, die nicht einmal ein Jahr nach der Hochzeit zur Witwe wurde.

    Ihren Mann, Elsies Vater, hatten weder sie noch Elsie jemals wirklich gekannt. Die Mutter immerhin hatte ein Bild von ihm und ein Kind, wie die schönsten Träume der perfekten Liebe, die sich über Jahrzehnte erhalten hatten.

    Keinen weiteren Mann hatte es in ihrem Leben gegeben. Keinen Mann, doch die ungetrübte Vorstellung einer ewigen Liebe.

    Das passte irgendwie in die Kinowelt vermutete Elsie und gab sich mit dieser Erklärung zufrieden, wenngleich sie sich ab und an dabei ertappte sich unwohl zu fühlen in diesem engen Raum, in dem sie Karten verkaufte und der mit den Jahren immer mehr zu schrumpfen und sie zu erdrücken schien.

    Nur wenn Antonio kam weitete sich der Raum wieder und etwas in ihr begann sich leichter zu fühlen, beinahe glücklich sogar. Manchmal berührten sich ihre Hände oder ihre Blicke, während er sich seine wöchentliche Kinokarte kaufte, an manchen, an den ganz besonderen Tagen, gelang es ihr sogar ihm ein kleines, zärtliches Lächeln zu entlocken.

    So auch an dem Tag, er mochte nun an die 25 Jahre zurückliegen, als er sie gebeten hatte sie in eine der Vorführungen zu begleiten.

    Den Film selbst hatte sie nur in Bildern wahrgenommen die kaum einen wirklichen Sinn ergaben, da ihre ganze Aufmerksamkeit sich auf ihn richtete, ohne dass er es bemerken durfte.

    Das war schwierig doch hatte sie schon damals geahnt, dass man Antonio nicht zu nahe kommen durfte.
    Nach diesem einen und einzigen Film hatten sie sich noch einige Male auf einen Kaffee getroffen.

    Zumeist sprach er über die Filme, doch einmal berichtete er ihr vom schönsten Tag seiner Kindheit, einem Geburtstag, der mit seinem ersten Kinobesuch gekrönt wurde.
    Dieser Kinobesuch war so besonders, da ihn jemand begleitet hatte, der ihm wie niemand Anderes am Herzen gelegen war. Elsie fragte nicht nach.

    Neugier konnte sie prinzipiell nicht leiden, doch konnte sie sich gut daran erinnern, dass sie ihn in diesem Augenblick gerne geküsst hätte, doch sie hielt sich zurück wie sie sich immer zurückgehalten hatte.

    Eins war ihr bereits damals klargewesen nämlich, dass sie Antonio verlieren würde, sollte sie versuchen sich ihm über Gebühr zu nähern.

    Verlieren konnte man es im Grunde zwar nicht nennen, dies hätte immerhin etwas Anderes vorausgesetzt, zumindest die Illusion einer wie auch immer gearteten Bindung – wobei sie eine solche durchaus zu ihm spürte, besonders nachdem er ihr angedeutet hatte, dass er sie verehrte wie eine der Kinoschönheiten – mit reiner Seele und weit über die Längen all der Kinofilme hinaus, die er sich in den Jahren seit ihrer ersten Begegnung angesehen hatte.

    An zahllosen Tagen dachte sie an ihn, doch wenn er als Besucher in das Kino kam, versuchte sie dies zu verbergen.

    Sie wagte es mit der Unerreichbarkeit, die ihm selbst so zu Eigen war. Leider, das wusste sie bereits seit ihrer Kindheit, war es keine Stärke von ihr sich zu verstellen und so war unabänderlich was geschah, nämlich dass die Besuche von Antonio seltener wurden und schließlich ganz ausblieben.

    Zu verräterisch waren ihre Blicke gewesen, zu eindeutig das leichte Zittern ihrer Hände in den seltenen Augenblicken, in denen sich ihre Haut für die Winzigkeit eines Augenblicks sehnsuchtsvoll an die seine wandte.
    Elsie wusste, dass Antonio ihr die Schuld an seinem Wegbleiben gab.

    Warum auch hatte sie mit ihrem zu realen Begehren seine Träume gestört? Als Mitarbeiterin eines Kino hätte sie wissen müssen, dass man eine Vorführung niemals, unter keinen Umständen stören durfte – es sei denn ein Feuer oder Hochwasser, vielleicht sogar ein Erdbeben waren im Begriff das Kino zu zerstören.

    Von seinem Tod hatte sie in der Zeitung erfahren. Die Anzeige war so klein, dass sie sie zunächst beinahe überlesen hätte.

    In den Nächten bis zu seiner Beisetzung wurde sie von steter Schlaflosigkeit geplagt, und entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten trank sie um sich abzulenken. Nicht ganz nüchtern war sie als eine der ersten und wenigen Gästen zur Trauerfeier erschienen.

    Leicht angetrunken und zudem übermüdet, von Schmerz eingenommen und steif von der Kälte des regnerischen Tages, wieder einmal zu leicht angezogen und fröstelnd, hatte sie versucht den Blick auf den Sarg und auf die beinahe leeren Bänke um sich herum zu vermeiden.

    Und da erschienen sie mit einem Mal alle. Die Kinoheldinnen und Helden – selbst längst verstorben, nahmen still und wissend Platz. Mit Ausdruck großer Ehrerbietung hatten sie den leeren Raum erobert, und sie waren es nun, die auf Antonio blickten, der vorne aufgebahrt lag und dessen Blick nun niemand jemals mehr würde sehen können.

    Zu müde um bei der Erinnerung dieses Tages noch einmal weinen zu können, beschloss Elsie den hellen, modernen Kinopalast nun doch zu betreten, um sich für eine kleine Weile im Foyer aufzuwärmen. Sie schloß den Schirm, wagte sich in die Masse der Menschen zurück und saß viele Stunden gedankenverloren und unbeachtet.

    Und dennoch fühlte sie sich nicht allein.

    (Claudia J. Schulze, 2016)

    • Hallo liebe Claudia,

      Hab vielen Dank für deinen Beitrag! Nun muss ich aber doch nachfragen: Möchtest du nicht an der Verlosung teilnehmen, oder hast du nur vergessen, deine Wunschpreise zu nennen? Sollte letzteres der Fall sein, kannst du sie gerne in einem Kommentar erwähnen :)

      Mit lieben Grüssen und den besten Wünschen
      Für die Clue Writer
      Sarah

    • Hallo liebe Nike,
      Na, wenn das mal nicht megalotastisch ist! Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre und wünsche dir viel Glück bei der Verlosung! :)
      Einen schönen Tag wünscht dir
      Für die Clue Writer
      Sarah

  5. Pingback: Der Kinobesuch der alten Dame | Nike Leonhard

  6. Pingback: Revue Mai 2016 - Flaneurin

  7. Auch ich möchte euch meinen Text präsentieren. „Der Kinobesuch der alten Dame“ war meine Wahl. Zu finden ist er hier:
    http://vrojongliert.blogspot.co.at/2016/05/clue-writing-challenge-der-kinobesuch.html

    Mir gefällt übrigens das Bücherpaket von Pu Sung-ling sehr. Aber ich würde mich auch schon über den Trostpreis „Blumenzauber“ freuen – das wäre eine zauberhaft prächtige Rundumvereinigung meiner Leidenschaften.

    Liebe Grüße,
    Veronika (die mit der Hauptperson in der Geschichte nichts zu tun hat und nur halb so alt ist)

    • Hallo liebe Veronika,
      erst einmal: hab vielen Dank, dass du bei der Clue Writing Challenge mitmachst! Wir freuen uns schon megalotastisch auf die Lektüre deines Beitrags (da wir heute Abend ein Buch herausgeben, werden wir erst in einigen Tagen dazu kommen).
      Einen grandiotastischen Tag wünscht dir
      Für die Clue Writer
      Sarah

  8. Pingback: Biedermann und die Brandmelder – Der Proktologe

    • Übrigens würde ich die Kriminalromane bevorzugen. Bei den Trostpreisen habe ich keinen Favoriten.

    • Hallo lieber Mathias,
      hab schon mal vielen Dank für’s Mitmachen! Wir freuen uns schon megalotastisch auf die Lektüre, die wegen der Publikation unserer Anthologie heute Abend nur noch einige Tage warten muss! Und einen zweiten Beitrag heissen wir natürlich sehr gerne willkommen :)
      Mit megalotastischen Grüssen von den Clue Writern
      Sarah

  9. Pingback: Vierte Clue Writing Challenge | Blogparade-Blogstöckchen

  10. Pingback: Brainstorming für die 4. Clue Writing Challenge | Nike Leonhard

    • Hallo fruehstuecksflocke,
      Keine Bange, dein Text darf durchaus Anspielungen auf die Anspielungen im Titel enthalten, man kann also mit Anspielungen (an)spielen – muss aber natürlich nicht ^^
      Aber das Coolste an den Anspielungen ist, dass ich versuchen kann, möglichst oft auf das Wort „Anspielungen“ in einem Comment anzuspielen. ;)
      Mit lieben Grüssen und Knicks,
      Die heute etwas bekloppte Sarah

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