Aus dem Kopierraum kommen

„Komm, mach die Tür zu“, befiehlt Jamal heiter. Ich gehorche, lausche dem Klackern seiner Gürtelschnalle und starre in die Ecke des zerschlissenen Posters vis-à-vis der Kopiermaschine. Ein grunzendes Ächzen ertönt, begleitet vom Rascheln seiner Jeans, dann meint er: „Es kann losgehen.“ Ich wende mich ihm zu, lache daraufhin lauthals los. Da sitzt er nun, auf der Glasplatte des Kopierers. Die heruntergelassene Hose hängt in den Kniekehlen und seine Hände verdecken mir leider die Sicht, dafür schenkt er mir sein charmantes Grinsen, ein extra-breites noch dazu.
„Moment, du musst das Bein hochheben“, weise ich ihn an und merke, wie sich ein unangenehm nervöses Kribbeln in meiner Magengrube ausbreitet.
„Das Ding braucht eine Fernbedienung“, schlägt er ungelenk seine Wade haltend vor. […] Weiterlesen

Selbstfindung

Symmetrie. Wunderbare, herrliche Symmetrie, die seine Nerven ein klein wenig zu beruhigen vermochte. Sicherlich war er nicht deswegen hierhergekommen, umso mehr freute er sich über die prächtige Oase der Ordnung in diesem Chaos, das er die letzten Wochen zu ertragen hatte. Der weiße Marmor, welcher in mattem Hellgrau mit den Schönwetterwolken zu verschmelzen schien war sauber, rein und tröstete ihn über die bunt zusammengewürfelten Besuchermaßen hinweg. Selbst der Garten um den Taj Mahal war makellos gepflegt, die Bäumchen standen in schnurgeraden Linien Spalier, getrimmt, genauso wie der Rasen. Mit etwas Glück könnte er hierbleiben statt zurück ins Aschram zu fahren.
„Kommst du?“ Ja, hierzubleiben wäre in der Tat eine schöne Idee, dachte er, seine Frau […] Weiterlesen