Von Anhaltern und Drogen

Diese Geschichte spielt im erweiterten Universum „In ferner Zukunft“.

Geduckt huschte Anaata in den Maschinenraum, bog um den Zentralrechner des Frachters und sprang übers Geländer nach unten. Mit einem eleganten Salto landete sie auf allen Vieren auf dem Fusionsreaktor und atmete derart laut auf, dass sie die Maschinen übertönte. Ein erschrockener Ausruf erklang unter ihr und der Mechaniker Sven tauchte mit rußverschmiertem Gesicht auf. „Hast du sie noch alle? Hör auf, dich anzuschleichen, du hast mir einen Schrecken eingejagt!“
„Ich schleiche nie, ich gleite sanft wie ein Falter zu Boden“, erklärte die Passagierin, die es sich im Schneidersitz auf dem Reaktor bequem machte. „Ich musste mich irgendwo verstecken, die Anhalter sind mir suspekt.“
„Und da kommst du ausgerechnet mich ärgern?“, beschwerte sich Sven, bevor er ergänzte: „Such dir jemand in deinem Alter zum Spielen.“
„Ich bin über dreißig“, grinste sie und rollte sich einen Pyrianagras-Joint, worauf der Mechaniker genervt aufstöhnte. „Ja, aber manchmal verdammt kindisch. Und das hier ist ein Arbeitsplatz, Drogen kannst du auch anderswo nehmen.“
„Du trägst deinen Helm nicht, obschon es Vorschrift ist“, entgegnete sie schulterzuckend. „Offenbar gelten auf dem Schiff keine Regeln.“
„Du bist gerade mal ein paar Monate als Passagierin an Bord, solltest du nicht ein bisschen zurückhaltender sein, dich im Gemeinschaftsraum mit billigen Romanen unterhalten, statt der Crew auf den Sack zu gehen?“
„Ich habe ja gesagt, ich traue diesen Anhaltern nicht über den Weg. Hier hinten werden sie mich wenigstens wohl kaum im Schlaf ermorden.“
„Was hast du mit …“ Sven pausierte und kratzte sich am Kinn. „Ach, vergiss es. Du hast einen Horror-Trip, das ist alles.“
Anaata zündete ihren Joint an und fixierte einen Schalter an der Wand. „Müsste der nicht auf ‚On‘ gestellt sein?“
Sven schüttelte den Kopf. „Wäre der eingeschaltet, hätte ich beim Schweißen einen Schlag gekriegt. Das ist dir wohl Wurst.“
„Stimmt auch wieder“, erwiderte sie ernst und ignorierte seinen Sarkasmus. „Andererseits würdest du dann noch mehr herumzetern als du es sowieso schon.“
„Ich zetere gar ni…“, Stöhnend unterbrach sich Sven. „Weißt du was, mit dir zu diskutieren ist sinnlos.“
„Du wirkst ziemlich nervös, möchtest du etwas von meinem Pyri abhaben?“
„Nein, verdammt! Ich versuche zu arbeiten aber irgend so eine Trulla geht mir ständig auf den Geist.“
„Meinst du mich?“, kicherte sie zwinkernd, ehe sie das Thema wechselte. „Egal. Wichtiger ist, was du gegen die Anhalter unternehmen willst.“
„Ich? Nichts. Wenn der Captain meint, es ist okay, dass die an Bord sind, ist es auch okay. Deine Paranoia interessiert niemanden, Punktum und Schluss. Außerdem, was können die drei dir schon tun, die sehen aus wie Ziegenhirten oder Lamahalter.“
„Es ist nicht Paranoia, wenn sie wirklich hinter dir her sind“, gab sie zurück und warf den Rest des Joints in eine Ecke. „Ich glaube, die werden uns umbringen und euer Schiff klauen.“
Der Mechaniker brach in Gelächter aus. „Bist du komplett durchgeknallt? Wie kommst du denn auf diesen Blödsinn?“
„Weil ich es gehört habe, als ich sie belauschte“, kommentierte sie ruhig und seufzte anschließend resigniert. „Besser, ich verschwinde nachher mit einem Rettungsboot von hier, mit Mord und Todschlag will ich nichts zu tun haben.“
„Halt mal.“ Sven starrte sie verwirrt an. „Weshalb sagst du das nicht früher?“
„Habe ich doch, ich sagte mehrfach, die seien mir suspekt.“
„Du meine Güte, du solltest weniger Gras rauchen“, fluchte Sven und griff nach dem Com. „Captain, es gibt ein Problem, ich komme gleich zur Brücke.“ Er zog seinen Blaster, entsicherte ihn und hastete aus dem Raum. Als sich die Tür hinter ihm schloss, murmelte Anaata: „Keine Ahnung, was mit dem los ist. Erst will er nichts davon hören, dann rennt er herum wie ein Eichhörnchen auf Ritalin.“ Damit streckte sie sich auf dem Reaktor aus und gab ein wohliges Geräusch von sich.

Autorin: Sarah
Setting: Maschinenraum
Clues: Schalter, Falter, Alter, Anhalter, Lamahalter
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