Fan-Bonus | Danny die Bastlerin

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Danny war die Sorte Mensch, die Kartoffelchips stets aus einem kleinen Schälchen aß, etliche Dekokissen auf ihr Bett legte und nach dem Händewaschen jeden Wasserspritzer sofort wegwischte.

Das Lager war fast leer, abgesehen von vierzig Kisten Katzenstreu sowie [passster password=“rE498-4721dsf“]einigen Paletten mit veralteten Glühbirnen. Im Vollmondlicht, das durch die hochgelegenen Fenster schien, warfen die Regale harte Schatten, wirkten wie kahle Bäume in einem Winterwald. Zügig marschierte sie durch die Halle auf den Verladeeingang zu, die Absätze ihrer Pumps klackerten unnatürlich laut auf dem Betonboden. Über Dannys linker Schulter hing ihre Handtasche, in der rechten Hand baumelte ein Plastiksack. Es war ein Werbesack der lokalen Drogerie, darauf abgebildet, neben dem Logo, ein hellblaues Rhinozeros mit Schnupfen. In ihrem farbenfrohen und für sie ungewohnt schäbigen Gepäck befand sich etwas, das man bestimmt nicht in der Drogerie bekam.

Auf dem Klinkerboden ihres Treppenhauses fand man nie einen dreckigen Fußabdruck, keine liegengelassenen Hefte auf dem Wohnzimmertisch, geschweige denn Wäscheberge im Schlafzimmer.

„Dan?“, fragte Roberto untypisch leise. Danny ließ kurz den Kopf hängen und seufzte. „Dan, bis du das?“
„Ja, wer soll es sonst sein, erwartest du Partygäste?“ Ihren Schritt beschleunigend stöckelte sie in die Ecke, in der sie ihren Kontaktmann vermutete. „Hast du Scheine?“ Der Angesprochene trat lachend aus dem Dunkeln heraus und hob beide Arme, machte Anstalten, sie zur Begrüßung umarmen zu wollen. „Wage es ja nicht!“ Ihr Zischen belustigte den Schläger noch mehr, er nahm sich jedoch zurück und deutete eine kleine Verbeugung an.
„Ach, my Lady, meine dreckigen Pfoten werden Sie nicht berühren“, scherzte er, da donnerte die Eingangstür am anderen Ende der Lagerhalle und Danny schreckte hoch. „Keine Sorge, das ist Kevin“, beruhigte Roberto sie und brüllte sogleich: „Kevin, wir sind hinten bei der Verladezone!“
„Bezahlt dich der Boss dafür, dass du dich so dezent verhältst?“ Er begegnete ihrem genervten Augenrollen mit einem Grinsen. Seit Jahren wartete sie darauf, Roberto loszuwerden, sie hasste es mit diesem Witzbold zusammenarbeiten zu müssen und war überzeugt, eines Tages würde die ganze Operation auffliegen, weil der Idiot sich benahm wie ein … naja, wie ein Idiot. „Was macht Kevin hier?“

Ihre Schubladen waren aufgeräumt, selbst die in der Küche neben dem Besteckfach, alle Oberflächen staubfrei und ihre Wände strich sie jährlich neu.

„Fahrgemeinschaft“, kam die knappe Antwort, ehe er sich dem herbeieilenden Kevin zuwandte. „Kev, bin gleich soweit.“
„Fahrgemeinschaft?“, spie Danny verächtlich aus. „Hat die Mafia nicht genügend Geld, um allen einen Firmenwagen zu kredenzen?“
„Alter, wie lange dauert das noch? Ich friere mir im Wagen den Arsch ab“, nörgelte Kevin dazwischen.
„Es ist ein neues Jahrzehnt“, holte Roberto aus und klopfte Kevin freundschaftlich auf die Schulter. „Auch die Mafia muss ihren Teil zum Klimaschutz leisten.“
„Unfassbar“, murmelte sie. Es war eindeutig ein Fehler des alten Boss’ gewesen, die Führung an seinen ältesten Sohn zu übergeben, gerade so gut hätte er Roberto ans Steuer setzen können. Da nannte sich der Typ tatsächlich selbst Pazzo, Nomen est Omen, denn ein Verrückter war er wirklich. Und Danny war keineswegs die einzige, die so dachte, sein wunderliches Verhalten war längst Gesprächsstoff in der Familie.
„Was hast du Schönes für uns, Danny?“, wollte Kevin wissen und ihr fiel auf, dass sie bisher nie ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Sie traf den Anästhesisten hin und wieder bei Übergaben, seine Stimme war ihr allerdings unbekannt und an Stimmen erinnerte sie sich in der Regel immer.
Massenvernichtungswaffen“, meinte sie lapidar.
„Ja, natürlich“, murmelte Kevin ungläubig. „Erzählst mir was vom Pferd.“
„Geht dich sowieso einen Scheißdreck an.“ Sie streckte die Hand aus und sah Roberto erwartungsvoll an. „Aber sobald der Clown mich bezahlt, kannst du die Tüte haben und die Nase reinstecken, wenn du unbedingt willst.“

Sie legte sich jeden Abend frische Kleidung für den Frühsport bereit, wusch ihr Gemüse gerne zweimal und sortierte ihre E-Mails  in Ordnern.

„Wie nennst du mich?“ Es war eine Seltenheit, den fröhlichen Roberto verärgert zu erleben, sogar mit seinen Zielpersonen blieb er meist höflich, Danny war dabei gewesen, als er mit Kim, der abtrünnigen Chirurgin, ein importiertes Bier trank, bevor er ihre Innereien mit einem Schuss in den Bauch zu Polenta verarbeitete. Sie erschauderte bei dem Gedanken und war froh, dass Kevin sich vor sie geschoben hatte.
„Komm schon, Rob, sie macht Scherze“, beschwichtigte er und verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln.
„Halt die Klappe, Kevin“, blaffte Roberto. Angespannt ging er um Kevin herum auf Danny zu, starrte sie von oben herab an und schnaubte: „Deine Geliebte da hat mich einen Clown genannt, die tickt wohl nicht richtig!“ Sie schluckte, wusste nicht, wohin sie schauen sollte, also kniff sie die Augen zu, wartete ab, was er mit ihr vorhatte.

Ihre Orchideen wurden allesamt mit einem Kennzeichnungsschild versehen, die Zähne putzte sie viermal täglich ohne je die Zahnseide zu vergessen und ihre Haare ließ sie sich alle vier Wochen schneiden.

„Okay. Okay, Rob“, brummte Kevin verunsichert, da schielte sie zu ihm hinüber, bestätigte ihren Verdacht, dass er ebenso verängstigt war wie sie. „Ist okay, Rob. Macht einfach euren Tausch und wir sind auch schon auf dem Weg.“ Es dauerte einige Sekunden, bis Roberto sich entspannte.
„Ach“, knurrte der Schläger genervt, wirbelte nach hinten, bückte sich und drückte Danny anschließend einen flachen Koffer gegen die Brust. „Da, nimm. Kannst nachzählen, wenn’s sein muss.“
Sie japste nach Luft, ließ beinahe den Geldkoffer fallen. „N… Nein“, stammelte sie. „Ich vertraue dir“ und reichte ihm die Plastiktüte mit dem schniefenden Rhinozeros. Pazzos Einfluss tat niemandem gut, das war klar, ginge das so weiter, hatte Danny keine Lust mehr, für die Mafiabande zu arbeiten. Leider hätte sie genauso wenig eine Wahl, schließlich war sie mit Abstand die beste auf ihrem Gebiet. Und wenn Pazzo nicht mal einer durchschnittlichen Chirurgin erlaubte, sich ungestraft von der Familie zu lösen, dann mit Sicherheit nicht ihr.
„Na, geht doch.“ Sichtlich erleichtert klatschte Kevin in die Hände und bugsierte den anderen vor sich her in Richtung des Ausgangs. „Wir sehen uns“, sagte er zu Danny und fügte flüsternd an: „Glück gehabt.“

Danny war eben genau die Sorte Mensch, die alles genau im Blick behielt, nichts dem Zufall überließ und sich exakt an die Vorgaben hielt und genau deshalb war sie, Danny die Bastlerin, die einzige Bombenbauerin im Geschäft, die eine Detonationsgarantie gab. Ja, selbst Roberto brachte sie zum Explodieren.

Autorin: Rahel
Setting: Halle
Clues: Innereien, Massenvernichtungswaffen, Polenta, Geliebte, Nomen
Wir hoffen, euch hat diese exklusive Geschichte gefallen und möchten uns megalotastisch für eure Unterstützung bedanken. Wenn ihr möchtet, dass wir einen Beitrag nach euren Vorgaben verfassen, könnt ihr uns jederzeit gerne Clues vorschlagen. Bis zur nächsten Bonus-Story müsst ihr euch einen Monat gedulden, aber in der Zwischenzeit unterhalten wir euch mit den regulären Hör- und Kurzgeschichten und freuen uns darauf, euch auf den Social Media begrüßen zu dürfen. Grandio-Danke für eure Literaturfreude![/passster]

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