Fan-Bonus | Die Fracht

Dies ist eine Bonus-Story, ein Dankeschön für unsere Steady– und Patreon-Unterstützer. Wer Zugang zu diesem und vielen weiteren exklusiven Inhalten haben möchte, kann sich jederzeit als Clue Writing Unterstützer registrieren und das Passwort erhalten. Selbstverständlich bleiben alle regulären Inhalte von Clue Writing kostenlos verfügbar.
Diese Geschichte ist Teil der lose verbundenen Story-Reihe „Die Profis“.

„So, da wären wir.“ Marcel setzte eben zu einer Ergänzung an, als er unelegant über das Gleis stolperte und mit einem spitzen Schrei auf seinem Steißbein im Schotterbett landete. „Verfluchte Kacke!“
[passster password=“rE498-4721dsf“]Fred konnte sich das Lachen verkneifen, half seinem Kameraden jedoch spöttisch grinsend auf. „Pass auf, wo du hinlatschst, du Birne.“
„Du mich auch.“ Marcel wischte sich den Schneematsch vom Hosenboden und sah sich auf dem unbeleuchteten Abstellgleis um. „Irgendwo hier am Güterbahnhof muss es sein. Denk daran, wir suchen ein Dreieck.“
„Ein Dreieck?“ Fred starrte ihn verwirrt an. „Wieso ein Dreieck?“
Entnervt seufzend erläuterte Marcel: „Das Logo is‘ ein Dreieck, ich habe extra online recherchiert.“
Wenig zuversichtlich musterte Fred die abgesperrten, mit Graffiti besudelten Güterwaggons. „Ich sehe nirgends ein Logo. Entweder es ist zu dunkel oder jemand hat es übersprayt.“
„Wir hätten das erst nach dem Frühlingsbeginn machen sollen, dann wäre es hell und mein durchweichter Arsch würde nicht einfrieren.“
„Ach, hör auf zu jammern, so sieht uns zumindest keiner.“ Damit begann Fred, zwischen zwei Reihen aus abgestellten Wagen langzugehen. „Wir finden schon was wir suchen, schließlich hatten wir noch jedes Mal Erfolg.“
Widerwillig folgte ihm Marcel, die Anschriften auf den Fahrzeugen studierend. „Da steht nur ,Hbbillns‘. Überall ist Kauderwelsch angeschrieben, anstelle davon, was drin ist. Wie soll ein normaler Mensch so finden, was er sucht? Das kann die ganze verfluchte Nacht dauern.“
„Vielleicht sind diese Buchstaben irgend ein Geheimcode, den bloß NSA-Agenten und Eisenbahner verstehen.“
Entnervt über seinen Kumpel greinte Marcel: „Du hast gesagt, das sei eine sichere Sache. Ehrlich, wie blöd bist du eigentlich, hast du den IQ einer Bauchrednerpuppe?“
„Danke, sehr hilfreich.“ Fred wechselte dem Frieden zuliebe das Thema, nahm eine Taschenlampe von seinem Gürtel und leuchtete auf die Aufschriften am nächsten Wagen. „Schau mal, der hat Bananen geladen.“
„Was bist du, ein Einbrecher oder ein Schimpanse? Suchen wir weiter.“
Schweigend schritten die beiden Männer das Gleis ab und Marcel wunderte sich, auf was er sich da eingelassen hatte, während der Rest des geschmolzenen Schnees durch seinen Hosenboden in die Unterwäsche sickerte. Zwar hatte er schon einige Jobs mit Fred durchgezogen, dieser nächtliche Ausflug schoss allerdings den Vogel ab.
„Hey“, rief Fred, freudig auf den nächsten Wagen gestikulierend. „Da ist ein Dreieck-Logo drauf, das muss er sein. Außerdem hängt ein Vorhängeschloss am Tor, also ist sicher was Wertvolles drin.“
„Na, dann vorwärts“, befahl Marcel und reichte Fred die Säge. Dieser machte sich unverzüglich am Schloss, indes spähte Marcel die Umgebung aus, um allfälligen Besuch von Nachtwächtern frühzeitig zu entdecken. Aus einiger Entfernung waren die quietschenden Bremsen eines Zugs zu hören, in ihrer Nähe war glücklicherweise alles ruhig. Nervös beobachtete er den Kollegen bei der Arbeit und hoffte, die Ruhe bliebe ungestört.

Nach einer knappen Minute fiel das Schloss polternd zu Boden und Fred gab ein triumphierendes Geräusch von sich. „Siehste, Kinderspiel. Is‘ offen.“ Ohne auf eine Reaktion zu warten öffnete Fred das Tor und kraxelte stöhnend ins Wageninnere. „Schieße Mann, da drin findet man ja nicht mal die Hand vorn Augen. Wieso hat in dem Zug niemand eine Glühbirne montiert?“
„Was, damit die Fracht es gemütlich hat?“, höhnte Marcel. „Na?“
„Nichts.“ Freds Kopf tauchte in der Öffnung auf und er hielt dem anderen ein dickes Album hin. „Das war drin, falls du zufälligerweise Stoffmuster brauchst.“
Mit seiner Taschenlampe zündete Marcel auf den Wälzer und konnte in der Tat etliche Stoffmuster erkennen. Frustriert warf er das Ding aufs Schotterbett. „Weshalb gibst du mir ein Musterbuch raus? Los, weiter, du Trottel.“
„Danke für deine Offenheit, ich weiß konstruktive Kritik stets zu schätzen“, schnaubte Fred sarkastisch, sprang aus dem Innern und plumpste keifend auf den Kies zwischen den Gleisen. „Fuck, Mann!“
„Hör auf rumzudümpeln, da stehen noch hundert Waggons.“

Das Duo hatte bereits einen Drittel des Zuges durchwühlt, als Fred die Stille unterbrach. „Trotzdem, ich frage mich, wieso die ein Logo auf dem Wagen haben, wenn was völlig anderes drin ist.“
„Werbung?“, schlug Marcel vor. „Wir können einfach alle aufmachen, auf denen die richtige Firma draufsteht und hoffen, unsere Beute ist nicht in einem, auf dem außen Kekse aufgemalt sind.“
„Wunderbar“, ächzte Fred, ehe sich seine Stimmung wieder hob. „Da, ein weiterer mit dem Dreieck drauf, der ist sogar unverschlossen.“
Eilig trat Marcel, dessen Optimismus mittlerweile im Keller war, heran und gemeinsam drückte die beiden das schwere Tor auf. „Diesmal gehen wir beide rein, du nimmst die rechte, ich die linke Seite.“ Angestrengt kletterten die beiden auf den Zug, Marcel machte die Schiebewand hinter ihnen halb zu. „Falls einer vorbeikommt“, erklärte er. Auf Paletten waren diverse Kisten aufgestapelt. Er beugte sich über einen Lieferschein: „Druckerpapier. Das ist ein Schuss in den Ofen.“
„Ja, wir wissen nicht mal, wie der Behälter aussieht“, klagte Fred und setzte sich. „Ich sage, wir probieren noch einen, bevor wir aufgeben.“
„Halt mal – hast du gegooglet, wie man Uran transportiert?“
„Nein, ich dachte, du … Oh, verdammt, das darf nicht wahr sein.“
Nun war Marcels Geduld am Ende, mit sich überschlagender Stimme schrie er: „Der Herr hat einen Coup geplant und absolut keinen blassen Schimmer, wie man nukleare Brennstäbe klaut? Scheiße, Fred, willst du verstrahlt werden? Nur so als Info:  Ich bin dagegen, dass mir plötzlich ein dritter Arm wächst.“
„Ach wo, wir haben Tante Helgas Pickup, da kann man alles hinten draufladen. Wir transportieren das Zeug ja nicht in der Fahrerkabine“, verteidigte sich Fred eingeschnappt. „Easy-peasy. Danach parken wir irgendwo, gehen online und verkaufen das Zeug.“
„Wir haben noch gar keinen Abnehmer?!“ Marcels Geduldsfaden drohte endgültig zu reißen.
„Wieso sollten wir? Man wird bestimmt Iraner oder Nordkoreaner im Internet finden. Passt schon, im Fernsehen klappt das auch immer. Mich erstaunt eher, dass es keine Wachen am Bahnhof hatte.“
„Und das erwähnst du erst jetzt? Sind wir überhaupt im richtigen Zug? Deine Quelle hat gesagt, er werde diese Nacht am Güterbahnhof Oberhausen abgestellt, richtig?“
„Niederhausen“, berichtigte ihn Fred, ehe seine Mine erstarrte. „Ist das hier Oberhausen?“
Bevor Marcel etwas antworten konnte, lief ein harter Ruck durch den Wagen, der ihn taumeln und auf die Knie fallen ließ. „Was war das?“, wollte er alarmiert wissen. Fred, der ebenfalls hingefallen war, erhob sich und trat zur Tür. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht.“
„Sag schon.“
„Die schlechte ist: Wir sind im falschen Zug. Die gute: Dieser Zug fährt Richtung Niederhausen.“ Nach einer Pause ergänzte er: „Oder Norwegen, wenn er da nicht anhält.“

Autorin: Sarah
Setting: Güterbahnhof
Clues: Musterbuch, Bauchrednerpuppe, Schrei, Frühlingsbeginn, Offenheit
Wir hoffen, euch hat diese exklusive Geschichte gefallen und möchten uns megalotastisch für eure Unterstützung bedanken. Wenn ihr möchtet, dass wir einen Beitrag nach euren Vorgaben verfassen, könnt ihr uns jederzeit gerne Clues vorschlagen. Bis zur nächsten Patreon-Story müsst ihr euch einen Monat gedulden, aber in der Zwischenzeit unterhalten wir euch mit den regulären Hör- und Kurzgeschichten und freuen uns darauf, euch auf den Social Media begrüßen zu dürfen. Grandio-Danke für eure Literaturfreude![/passster]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Clue Writing