Weihnachts-Special | Die Legende vom Auserwählten

Die Priester von Perseus

Der Hoverbus fuhr im East End von New Bable City ein und Mathew stand ächzend auf, sobald die Türen aufglitten. Der Schreiber für den Galactic Informer musste sich regelrecht dazu zwingen, in dem schäbigen Quartier auszusteigen. Damals, als motivierter Jungreporter, hatte er sich seine Karriere denkbar anders ausgemalt, davon fantasiert, über Sternenkriege oder Forschungstreks zu unbekannten Welten zu schreiben. Träumerei, mehr war das nicht. Sein bislang spannendster Artikel war zu einer blauen ComNet-Zelle gewesen, die in der Innenstadt errichtet und prompt als öffentliche Toilette missbraucht worden war. So spielte das Leben und trotzdem bemühte Mathew sich seinen Job ordentlich zu erledigen. Hinter ihm hob der Hoverbus zur Rückfahrt ab, was ihm ein eifersüchtiges Grummeln entlockte. Frustriert darüber, von der Redaktion ständig auf irgendwelche Wüstenplaneten gesandt zu werden, kickte er eine leere Schlüfdose über die verwaiste Straße. Zu gerne hätte er zur Abwechslung mal einen Planeten mit echten Klimazonen besucht, stattdessen wurde ihm aufgetragen, schon wieder eine dieser inhaltslosen Wohlfühlgeschichten über eine religiöse Gruppe zu verfassen, als gäbe es davon nicht längst genug.
Nach einem kurzen Fußmarsch durch die Hitze langte der Reporter beim Tempel der Priester von Perseus an. Eben hatte ihn ein junger Mann in Priesterrobe begrüßt, sich als Caspian vorgestellt und führte ihn nun durch einen erfrischend kühlen Gang.
„Sie müssen die Wartezeit am Tor entschuldigen, wir sind momentan sehr beschäftigt“, beschwichtigte Caspian. „Mit der Prophezeiung.“
„Und …“ Mathew hüstelte. „Und, was prophezeit ihr?“
„Das finden wir heraus, wenn es so weit ist.“ Caspians Lachen hallte verzerrt durch das Gewölbe, dem Journalisten stellten sich die Nackenhaare auf.
„Hm“, brummte er und gab vor, sich einige Worte auf dem Com zu notieren. „Wie akkurat sind die Weissagungen eures Ordens üblicherweise?“
„Ein großer Teil der Vordeutungen beziehen sich auf Realitäten hinter Schwarzen Löchern, also wissen wir es nicht genau.“ Mathew hob eine Augenbraue, woraufhin Caspian eilig hinzufügte: „Keiner reist freiwillig in ein Schwarzes Loch, auch die Priester von Perseus nicht.“
„Okay, verstehe ich. Unsere Redaktion möchte in erster Linie beleuchten, wie das Leben in eurem Orden abläuf…“, holte Mathew aus, wurde allerdings von einem Schrei unterbrochen.
„Heureka!“ Eine Tür am Ende des Flurs öffnete sich und ein in ehrenwert wirkende Roben gekleideter alter Herr hüpfte frenetisch fuchtelnd hinaus. „Mein Lehrling“, rief er Caspian zu. „Komm schnell, das musst du dir ansehen, der Erlöser wird geboren!“
Verdutzt beobachtete Mathew wie der Greis seinen Gehilfen am Handgelenk packte und in den Raum zerrte, aus dem er gekommen war. Da ihm nichts anderes übrigblieb, folgte er dem Duo und fand sich bald in einem kreisrunden, schätzungsweise zwölf Mann hohen Saal wieder. Perplex betrachtete er den opulenten Raum, dessen reich geschmückten Wände eine kompliziert verarbeitete Kuppel trugen. In der Mitte war ein gigantischer Holotisch aufgebaut, auf dem mehrere Kristallkugeln und Galaxiskarten verteilt herumlagen. Darüber wurde eine Teildarstellung des bekannten Kosmos projiziert, auf der einige Sternenbilder markiert und mit Linien verbunden waren.
„Meine Güte …“, nuschelte Mathew und wunderte sich, ob er versehentlich in der Zentrale einer wohlhabenden Untergrundorganisation gelandet war, die sich an verstörenden Verschwörungstheorien abarbeitete.
„Siehst du?“, plärrte der Alte erfreut und gestikulierte auf eine Supernova im Izareal-Quadranten. Mathew bemerkte einen dritten Priester, einen stattlichen weißhaarigen Mann mittleren Alters, der angestrengt auf die Sternenkarte schaute. „Da ist der Leitstern.“
„Bist du dir sicher, Bal’zar?“ Caspian verzog ungläubig den Mund. „Es gibt eine ganze Menge Supernovae, es wär…“
„Sicher bin ich sicher, würde ich mich sonst so freuen?“, zeterte der Greis und Mathew unterdrückte ein Kichern. Diese Priester waren wunderlich, beinahe goldig. „Diese Prophezeiung ist garantiert wahr, nicht wie damals der Unsinn mit der Sintflut auf unserem Wüstenplaneten.“ Es passierte, Mathew gluckste, konnte den unhöflichen Fauxpas aber gerade noch mit einem vorgetäuschten Niesen kaschieren. „Gesundheit“, wünschte der Greis aus dem Konzept gebracht, bevor er seinem Lehrling befahl: „Los, hol deine Siebensachen, wir gehen auf Wallfahrt!“
„Oh, wie schön“, stotterte Caspian, offensichtlich überwältigt. Diese unsäglich langweilige Welt zu verlassen war vermutlich sogar für einen Priester ein absoluter Glücksfall. Er drehte sich um und erschrak, als er dem Reporter gegenüberstand: „Oh, richtig. Ich bitte um Verzeihung, Mister …“
„Mathew“, wiederholte er seinen Namen, da fiel ihm ein: „Ach, ich habe mich Ihnen gar nicht bekanntgemacht.“ Die Angesprochenen reagierten nicht, nahmen seine Präsenz wahrscheinlich kaum wahr. „Ich bin Mathew“, er hob seine Stimme. „Mathew vom Galactic Informer.“ Die beiden fuhren herum, sahen ihn verdattert an, bis der Mann in Mittleren Jahren ein „Ah, ja genau“, hervorbrachte, fast seine Kristallkugel fallen ließ und sie vorsichtig auf dem Tisch platzierte. „Wo bleiben auch unsere Manieren? Ich bin Melch, der Alte ist unser Hohepriester Bal’zar.“
„Angenehm“, erwiderte Mathew, ging ein paar Schritte auf die anderen zu, doch Melch winkte ab.
„Sie können mitkommen, dann ergibt sich schon eine Gelegenheit für das Interview. Treffen wir uns in anderthalb Stunden am Raumhafen?“
„Verreisen“, murmelte der Journalist verwirrt. „Die Redaktion sagte mir, das Gespräch fände hier statt und ich hatte mich darauf …“
„Natürlich verreisen wir und Sie kommen mit auf die Pilgerfahrt“, bestimmte Bal’zar strahlend. „Das wird ein Erlebnis über das Jahrtausende berichtet werden wird.“
Mathew seufzte müde, mit drei komischen Sektenmitgliedern durch den Hyperraum zu tingeln kam ihm wenig verlockend vor. Wobei, sinnierte er, ein Grienen schlich sich auf sein Gesicht, hatte er sich nicht genau das ersehnt, ein Abenteuer, eine Fahrt durch die Galaxis, den Wind in den Haaren und den metaphorischen Stift im Holster? „Okay. Ich melde der Redaktion, wohin wir fahren. Ähm. Wohin fahren wir?“
„Zum Auserwählten, wohin sonst?“ Ohne eine Antwort abzuwarten hastete der Priester hinaus, Sekunden später jubelte der Greis: „Die frohe Kunde, endlich ist sie da!“
„Die Euphorie ist uns nachzusehen.“ Caspian verneigte sich und zeigte zum Ausgang. „Wir sehen uns am Raumhafen“, flötete der Lehrling und rauschte von dannen. Da stand Mathew plötzlich alleine im üppig dekorierten Zimmer, kramte sein Com aus der Tasche und wählte die Nummer der Redaktion. Auf dem Hologramm hinter ihm leuchtete ein Stern besonders hell.

Die Gaben der Propheten

„Wohin?“, erkundigte sich Caspain, der den Joystick des antiquierten Ordensschiffes hielt und mit der anderen Hand in den freien Raum deutete. Melch hatte es sich indes auf dem Copilotensessel bequem gemacht und orderte: „Setz Kurs zum Izareal-Quadranten, wenn wir dem Stern folgen, führt er uns zur Supernova.“
Mathew lief ein kalter Schauer den Rücken runter, er hatte wenig Zuversicht was das Navigationsgeschick der Priester anbelangte und fürchtete, sie könnten das Schiff direkt in die Supernova manövrieren. Den Gedanken krampfhaft verdrängend, fiel ihm die überschwängliche Reaktion des Chefredaktors auf seine bevorstehende Pilgerreise ein. Vielleicht wäre es klüger gewesen, die Sache weniger nachrichtenwürdig zu schildern, hätte sein Chef abgelehnt, befände er sich jetzt auf dem Heimweg im sicheren Hoverbus, statt in einem uralten Sternenschiff mit diesen seltsamen Kerlen.
„Bereit“, verkündete Caspian und gab die Koordinaten ein. Das klapprige Gefährt vibrierte und sprang mit einem gequälten, wenig vertrauenserweckenden Knarren über die Lichtgeschwindigkeit.
„Yeah“, schrie Caspian begeistert. „Gar nicht so übel dafür, dass das erst mein dritter Hyperraumsprung war.“
Mathew verkniff sich einen sarkastischen Kommentar, als Melch sich erhob, seinen Jutesack schulterte und vorschlug: „Setzen wir uns hinten zusammen, da ist es etwas gemütlicher und Sie, werter Journalist, können uns mit Ihren Fragen löchern.“
„Fragen stellt man normalerweise bevor man zu Fremden einsteigt“, entgegnete Mathew grinsend und trottete den Priestern hinterher, die seinen Humor augenscheinlich nicht teilten. Das Ordensschiff hatte tatsächlich einen kleinen Aufenthaltsraum, es gab genügend Sitzgelegenheiten und im Gegensatz zum Tempel weder Kristallkugeln noch sonstigen Krimskrams. Der Reporter ließ sich gegenüber den anderen auf ein Sitzkissen plumpsen und musterte die drei Priester.
„Also“, holte er aus, nachdem Caspian ihm erstaunlich gutriechenden Tee eingeschenkt hatte, „was hat es mit dieser Prophezeiung auf sich und weshalb wollt ihr zu einer Supernova reisen?“
„Simpel“, behauptete Bal’zar heiter und schlürfte seinen Tee. „In der Nähe dieser Supernova wird der Auserwählte geboren. Wir haben die Entstehung mitverfolgt, eine alte Prophezeiung erfüllt sich.“ Der Tee schmeckte wirklich wunderbar, dachte sich Mathew und vergaß beinahe dem anderen zuzuhören. „Der Auserwählte wird der Galaxis Hoffnung schenken, die Kräfte der Finsternis zurückdrängen und er wird zum Anführer des Izareal-Quadranten, ihn in eine freudvolle Zukunft führen.“
„M-hm. Und woher wisst ihr von diesem Auserwählten? Wie funktioniert das … naja, das alles, eure Religion?“
„Wie jede Religion“, gab sein Gegenüber zurück. „Wir lesen alte Schriften und versuchen die Sterne zu lesen. So haben wir die Geburt des Erlösers vorhergesehen.“
„Ähm“, stieß Mathew baff aus und kratzte sich am Kinn. „Und ihr meint es ist klug, euren Glauben in dieses eine Baby zu legen?“
„Nennen Sie ihn nicht Baby“, beschwerte sich Melch. „Jedes Kind wird erwachsen und dieses wird zu mehr als bloßer Menschlichkeit heranwachsen.“
„Mehr?“
„Ja, die Prophezeiung besagt, dass er sich modifizieren wird“, erzählte Melch schwärmerisch die Augen schließend. „Durch Modifikation nach Modifikation wird er zu einem mächtigen Cyborg, einem allmächtigen Geschöpf erblühen. Mehr Gott als Mensch. So will es das Universum.“
„So will es das Universum“, echoten die anderen beiden Priester unisono und stürzten ihren Tee hinunter. Der Höflichkeit willen kopierte Mathew die Geste, trank aus und streckte den leeren Becher aus, als Caspian den Krug anhob.
„Was ist in Euren Jutesäcken?“, besann er sich wieder auf seine Aufgabe. „Tragt Ihr darin eure Kristallkugeln?“
Bal’zar prustete grunzend auf. „Du meine Güte, nein. Wozu sollten wir die Tempel-Deko mitschleppen? Wir nehmen ja auch keine Kerzen mit aufs Schiff.“
„Tempel-Deko“, flüsterte der Journalist perplex. „Ah, na dann. Was habt ihr denn dabei?“
„Gaben für den Auserwählten, das Fest des Lebens wird mit Präsenten gefeiert. Ich bringe ihm Räucherstäbchen der Unverwundbarkeit.“ Stolz präsentierte er einige Hölzchen, die eher muffig als angenehm rochen.
„Die … was?“, stammelte Mathew naserümpfend. „Ihr habt Räucherstäbchen, die unverwundbar machen?
„Ach was, so ein Blödsinn“, feixte Bal’zar und verstaute seine Hölzchen wieder im Sack. „Wir haben Räucherstäbchen, die einen das Gefühl geben, unverwundbar zu sein. Genau das Richtige für einen Erlöser.“
Melch zischte verächtlich und posaunte: „Ich habe die die wertvollsten Schätze unseres Tempels in meinem Beutel.“
„Schätze?“, hakte Mathew nach und lehnte sich vor, um Melchs Sack zu begutachten.
„Ja, Schätze.“ Der Priester legte beschützend seine Finger auf das Bündel. „Mit dem Geld kann sich der Auserwählte alle notwendigen Modifikationen leisten, die er benötigt, um die Molekülstruktur von Flüssigkeiten zu verändern und über Wasser zu schweben. Antigravitation ist eine teure Angelegenheit.“
„Ähm, okay.“ Der Reporter zog die Nase hoch, rieb sich über die Oberschenkel und gab zu bedenken: „Wenn ihr die Modifikation bezahlt, damit der Auserwählte mächtig werden kann, ist das nicht eine, nun ähm, selbsterfüllende Prophezeiung?“
„Eine was?“, fragte Melch sichtlich irritiert nach.
„Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Könnte nicht jedes beliebige Baby, das man reich beschenkt und dem alle erdenklichen Modifikationen ermöglicht werden, zu einem gottähnlichen Geschöpf heranwach…“
„Papperlapapp“, ereiferte sich Caspian und beendete das Thema mit einem mahnenden Funkeln. „Zurück zum Wichtigsten, meiner Gabe. Ich bringe dem Auserwählten Teekräuter, damit er stets frohen Mutes bleibt. Unser Tee heilt die Seele, das müssen Sie wissen.“
„Ach, das klingt nett.“ Lächelnd gönnte sich Mathew einen großen Schluck, hielt ob einer jähen Einsicht inne und hustete: „Bitte was?! Habt ihr Drogen in den Tee getan?“
Die drei Priester schmunzelten, Caspian stand auf und klopfte ihm auf die Schulter. „So würde ich das nicht sagen. Kommt, entspannen Sie sich, wir erklären Ihnen alles über unsere Religion.“ Schon verflüchtigte sich Mathews Unruhe, unbewusst führte er seinen Becher an die Lippen und genoss das warme Gebräu. Ja, der Tee war durchaus eine Wohltat für die Seele, das musste er den kauzigen Priestern lassen.

Der Palast von Geezalem

„Willkommen in Geezalem“, trällerte Melch fröhlich, als das Schiff auf dem Landefeld nahe eines Palastes aufsetzte. Der Umweg über Geezalems Tankstelle verlängerte die ohnehin lange Fahrt noch mehr. Allerdings freute sich Mathew dermaßen darüber, endlich seine Füße auf den Boden einer fruchtbaren Welt zu setzen, dass er es den Priestern nicht übelnehmen konnte.
„Wir tanken, verbreiten beim Regenten die frohe Kunde und schon geht’s weiter“, plante Bal’zar ihren Besuch auf Geezalem. Mathew stieg aus, schnupperte die frische Luft und überlegte laut: „Wartet, ihr wollt ihm das sagen? Ist das nicht der Regent, der laut eurer Prophezeiung vom Auserwählten abgelöst werden soll? Keine schlaue Idee“, warf er besorgt ein.
„I wo, jeder in der Galaxis mag den Auserwählten, völlig klar“, konterte Caspian. „Wir geben ihm lediglich Bescheid, damit er seinen Sektor auf die Errettung vorbereiten kann.“
„Wenn ihr meint.“ Der Journalist schnaufte durch, kostete jeden Kubikzentimeter der angenehmen Atmosphäre aus und pflichtete Caspian schließlich bei. „Vermutlich habt ihr recht.“ Der Tee stimmte ihn vertrauensvoll, nie zuvor war er so von Optimismus erfüllt gewesen. Beschwingt traten sie ihren Marsch zum Palast an.

„Was, wer wird geboren?“, wetterte der Regent und starrte die ungebetenen Gäste entsetzt an. „Der Auserwählte?“ Fasziniert über die Reichweite dieser kuriosen Religion im Izareal-Quadranten, notierte Mathew Geezalems Koordinaten auf seinem Com. Der Regent schien den Priestern alles zu glauben, stellte er noch verblüffter fest.
Ganz in seinem Element bestätigte Melch: „Ja, freilich. Der Auserwählte, der künftig diesen Sektor regieren wird. Wenn ihr möchtet, edler Regent Heroman, könnt ihr mit uns kommen und Gaben überbringen.“
Eine Weile schwieg der Regent, Mathew sah, wie er die Faust ballte. „Nein, das wird nicht nötig sein, werte Priester, derzeit stehen viele Regierungsgeschäfte an. Kommt auf der Heimfahrt nochmal vorbei und informiert mich, wo der Heiland wohnt, dann werde ich ihm einen Präsentkorb senden.“ Ein erzwungenes Lächeln erschien auf seinen Zügen. „Eine gesegnete Reise wünsche ich Euch.“
Das klerikale Trio verbeugte sich, auch Mathew deutete einen Knicks an. Die drei wandten sich zum Gehen und verschwanden aus der Audienzhalle, aber Mathew blieb stehen. „Geschätzter Regent, darf ich Ihnen für den Galactic Informer einige Fragen stellen?“ Um dem Zögern des royalen Mannes entgegenzuwirken, fügte er an: „Das Interview mit Ihnen, oh großartiger Heroman, wäre selbstverständlich eine Zierde für unsere Titelseite.“
Heroman verzog kaum merklich die Lippen, guckte zuerst hoch zur Decke, anschließend auf die prunkvolle Kette, die schwer auf seiner Brust ruhte. „Sicher. Sicher, das dürfen Sie.“ Offenbar interessierte ihn die Meinung der Öffentlichkeit mehr, als den lästigen Reporter loszuwerden.
„Ergebensten Dank.“ Damit zückte Mathew sein Com und räusperte sich. „Was gedenken Sie in dieser Sache zu tun?“
„Ni … nichts“, stotterte Heroman, ehe er seine Stimme fand: „Nun ja, wenn die Priester das Kind finden, eine Gratulationskarte schicken, versteht sich.“
„Sehen Sie nicht ihren Thron bedroht?“
„Bitte?!“, zeterte das Staatsoberhaupt verstimmt. „Wie sollte mich ein kleines Kind meines Amtes entheben? Lächerlich!“
„Mit Verlaub, jedes Kind wird erwachsen“, rezitierte der Journalist Melchs Worte. „Ist er alt genug, könnte er Ihnen Ihren Platz streitig machen.“
„Das muss reichen“, blaffte der Herrscher und bedeutete Mathew forsch zu gehen. „Auf wiedersehen.“
„Okay.“ Der Angesprochene senkte sein Haupt, schlenderte zur Saaltür und verweilte dort. Als der Regent sich alleine wähnte, vernahm der Reporter das typische Piepsgeräusch eines Coms. „Aktiviert die Roboterarmee“, wies Heroman irgendjemanden an. „Trainiert sie dazu, Neugeborene zu eliminieren!“

Außer Atem holte Mathew die drei Priester ein. „Leute, ihr solltet dem Typen da drin auf keinen Fall verraten, wo euer Auserwählter ist. Der Kerl hat Kampfroboter.“
„Ach, machen Sie sich keine Sorgen, Jungchen“, brummelte Bal’zar amüsiert. „Dann umschiffen wir Geezalem eben.“ Die Gelassenheit des Greises erstaunte ihn nicht mehr, seit er den fabelhaften Tee der Ordensbrüder kannte. „Kommt, auf zum Schiff.“

Ankunft in Betham

„Da ist es, meine Lieben, Betham!“, jauchzte Caspian, als das klapprige Sternenschiff aus dem Hyperraum fiel und ein Planet sichtbar wurde. Nahe der bräunlichen Kugel flammte eine Supernova, wahrscheinlich glühte sie im nächsten Sternensystem.
„Und wie finden wir jetzt den Auserwählten? Diese Welt ist so groß wie sie schmutzig ist.“ Enttäuscht darüber, schon wieder auf einen dieser unsäglichen Wüstenplaneten zuzuhalten, knurrte Mathew: „Im Sand dort unten leben garantiert Millionen oder Milliarden von Menschen. Das ist, als wollten wir die Nadel im Dreckhaufen suchen.“
„Habt etwas Glauben, mein Freund. Wir prüfen einfach das Geburtenregister“, erklärte Melch gleichmütig und tippte auf seiner Konsole herum. „Na, schaut. Da sind sie schon, die Daten.“
„Ein Hoch auf die Technik“, lachte Mathew sarkastisch.
„Und?“ Caspian tippelte aufgeregt von einem Bein aufs andere und versuchte einen Blick auf das holographische Display zu erhaschen.
„Geboren in einer behelfsmäßigen Unterkunft“, las Bal’zar die Prophezeiung, während Melch eifrig durch die Liste scrollte. „Im Beisein von Tiere…“
„Da!“, brüllte Melch und frohlockte: „Da, da ist er! Ein Neugeborenes, geboren in einer Flitzer-Garage. Das muss er sein. Oh heiliger Sternenstaub, wir haben ihn!“
„Nur die Ruhe, mein Guter. Caspian, setz Kurs. Schnell, schnell.“
Das Raumschiff hielt auf die öde Welt zu, rüttelte, als es in die Atmosphäre brach und Mathew sah aus dem Fenster auf die Supernova. Die Freude der Priester war ansteckend, ob das an ihnen oder ihrem Tee lag, konnte er beim besten Willen nicht sagen, doch er fühlte, wie seine Träume von neuem lebendig wurden. Sein Beitrag im Galactic Informer könnte zu einem der Kerntexte ihrer Religion werden, sein Name Millennien überdauern. Da war er nun, Mathew der Journalist, mittendrin im Geschehen, am Puls der Zeit, randvoll mit Drogentee und mit einer Roboterarmee im Nacken.

Autorinnen: Rahel und Sarah
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