Fan-Bonus | Janets Pechsträhne

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Es war einer jener Tage, an denen für Janet einfach alles schieflief. Naja, das ging schon schon Wochen so. Nebst der Tatsache, dass sie sich beim Bezahlen einer Rechnung vertippt und ihre Krankenversicherung viertausend Dollar zu viel eingezahlt hatte (was auf ihrem Konto zu einem[passster password=“rE498-4721dsf“] fetten Minus führte), war sie beim Aufstehen ausgerutscht und hatte sich das Knie blutig geschlagen. Und das waren bloß die Highlights des Tages, denn der Monat hatte mehr zu bieten: Unter anderem war sie neben einer brennenden Kerze eingeschlafen und hatte genug von ihrer Haarpracht abgefackelt, um sich eine zu teure Afroperücke kaufen zu müssen.
Jetzt, in der U-Bahn, saß sie neben der wohl nervtötendsten Tusse der Welt, die nach süßem Parfüm stinkend am Telefon lautstark über ihr Sexleben redete. „…Schatzilein, wenn es dir mit einem Kondom keinen Spaß macht, nimm einfach ein Penishütchen? Hab ich irgendwo online gelesen. Das sind so Sticker, die man vorn auf den kleinen …“ Janet würgte, erhob sich und suchte einen anderen Platz. Sowas musste sie sich am Morgen definitiv nicht antun (nun ja, es war Abend, aber jobbedingt war sie gerade erst aufgestanden). Hinter ihr hörte sie die Trulla kichern „… nein, der sieht dann wohl kaum aus wie ein Cowboy!“ Janet atmete auf, als die Stimme aus der Konserve ihre Haltestelle ausrief und die Türen aufglitten. Auf zur Arbeit, heute sollte ihre Pechsträhne ein Ende finden, davon war sie überzeugt!

Wie üblich war die Spielhalle laut und voll. Janet sog den vertrauten Geruch von Fast Food und alkoholischen Getränken ein und marschierte an den Slotmaschinen vorbei zum Backoffice. Ja, heute würde sie absolut nichts … „Shit!“ Sie schaffte es im letzten Moment, dem angetrunkenen Typen auszuweichen, der beinahe seinen Daiquiri auf ihren Rock geschüttet hätte. Sie eilte weiter, sehr zufrieden mit ihrer Leistung und war sich sicher, mit diesen Reflexen konnte alles nur gutgehen. Endlich hatte sie die Kontrolle über ihr Leben zurück, die Pechsträhne war zu Ende. Nahezu beschwingt öffnete Janet die Tür zum Backoffice und trat ein. Ihr Boss, Jared, lümmelte bequem auf der alten Lackledercouch, die vermutlich seit Dekaden genau dort vor sich hingammelte. Er schaute auf und seine Miene trübte sich. Janet schwante Böses.
„Hey“, holte er aus, schluckte und sah bedröppelt zu Boden, ehe er seinen Mut zusammennahm und weitersprach. „Wir hatten in den letzten Jahren ziemliche Umsatzeinbußen, du weißt schon, Online-Casinos und der neue Laden am Stadtrand …“ Jared seufzte, Janet ahnte, was ihr bevorstand. „Leider muss ich deshalb zu ersten Mal Leute entlassen, die im Prinzip prima Mitarbeiter sind …“

Im Nachhinein glaubte Janet, den Rest des Gespräches einigermaßen souverän überstanden zu haben. Sie konnte nicht einmal wütend auf Jared sein, ihm tat sie Sache augenscheinlich leid. Er war ein Chef, wie man ihn sich wünschte, außer heute eben. Zumindest hielt er ihr einige Monate den Rücken frei, bis sie einen neuen Job anfangen konnte. Ein neuerlicher Scheißtag, trotzdem war Janet zuversichtlich, heute würde ihre Pechsträhne enden. Nicht etwa, weil es für ihren Optimismus einen äußeren Grund gab, sondern weil sie selbst dafür zu sorgen gedachte.

Der Abend war fortgeschritten und zur Nacht geworden, als Janet die erste Ladung der Tagesgewinne zum Tresor karrte. Zu Beginn war sie sich wie in „Ocean’s Eleven“ vorgekommen, wenn sie das Wägelchen, vollgepackt mit Geldscheinen, herumkarrte, doch es hatte bald seinen Reiz verloren. Routiniert wich Janet einem Opa aus, der aussah, als wäre er aus der Vergangenheit ins Casino katapultiert worden: Er trug eine abgewetzte Lederjacke, hatte gar eine Pilotenbrille auf der Stirn. (Sie nannte ihn insgeheim den alten Lindbergh). Manche Stammkunden hier waren eine ganz eigene Spezies, fand sie und quetschte sich mitsamt Wagen in den Aufzug.
Kaum hatten sich die Türen geschlossen, wandelte sich Janets Stimmung. Ein Blick hoch zu Kamera, um sich zu vergewissern, dass das blinkende Licht noch immer aus, die Kamera defekt war. Hurtig landete ihr Finger auf dem Not-Stopp und die Kabine kam mit einem Ruck zum Halten. Janet kramte eine Sporttasche aus dem mit einem Tischtuch bedeckten Geldwagen um sogleich die Notenbündel hinein zu schaufeln. Alles war durchgeplant, die Tasche hatte sie oft dabei, da sie vor der Arbeit zum Yoga ging. Niemand würde Verdacht schöpfen, wenn sie damit das Casino verließ. Sobald sie fertig war, schob sie den Wagen in die hinterste Ecke der Kabine und drückte den Knopf für die Tiefgarage. Der einzige Ausgang, der noch nicht videoüberwacht wurde. Je mehr Vorsprung sie hatte, desto besser. Ja, heute würde sie ihrer Pechsträhne endlich, endlich ein Ende setzen und die Bank sprengen.

Autorin: Sarah
Setting: Spielhalle
Clues: Afroperücke, Daiquiri, Penishütchen, Pilotenbrille, Lackledercouch
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