Fan-Bonus | Carls Schefflera

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Carl hatte es sich rittlings in einem Fensterrahmen des leerstehenden Hauses bequem gemacht und sah auf die Stadt unter ihm. Unzählige Autos und Menschen füllten die Häuserschluchten, ab und an donnerte eine Bahn über die auf einer Brücke geführten Gleise. Gutgelaunt knabberte Carl eine[passster password=“rE498-4721dsf“] Feige, die er mitgebracht hatte, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Vor langer Zeit, damals, als er noch jung gewesen war, hatte Carl Chips oder Salzstangen mitgenommen – etwas, das sich sehr rasch auf der Waage gerächt hatte. In vielen anderen Branchen wäre ein Wohlstandsbauch kein Problem, in Carls Job dagegen konnte er sich diesen Luxus nicht leisten, auch jetzt nicht, als er auf die Vierzig zuging. Kurz linste Carl zum Hartschalenkoffer, der neben ihm auf dem Boden stand – alles war in Ordnung und bereit. „Nun denn“, seufzte er zufrieden und wartete weiter auf die Nachricht, die den nächsten Schritt der Operation auslöste.
Als er den letzten Bissen herunterschluckte und über seinen Job nachdachte, musste er lachen. Wie sehr er sich doch verändert hatte! Fernweh und eine romantisierte Vorstellung vom Agentenleben hatten ihn ursprünglich dazu getrieben, eine Karriere beim Geheimdienst anzustreben. Erstaunlich rasch hatte er sich vom einfachen Anfänger zu einem der Top-Agenten gemausert, Auszeichnung um Auszeichnung eingeheimst, von denen er natürlich niemandem erzählen durfte (Selbstverständlich war alles, was er tat, geheim). Und nun, da er auf Jahrelange Erfahrung zurückblicken konnte, fragte er sich manchmal, wie lange es noch ging, bis er einen Schreibtischjob bekam. Fünf Jahre? Zehn? Immerhin war er einer der wenigen Agenten, die vieles taten, das man höchstens James Bond zutraute, und da spielte das Alter nun mal eine Rolle, ganz egal wie fest man sich das Gegenteil einredete. Und die Reiselust hatte mittlerweile auch nachgelassen, letztes Jahr hatte er sich gar eine Schefflera gekauft, die jetzt von Miss Marsden (keine feindliche Agentin, davon hatte Carl sich vergewissert) gegossen werden musste, da er zu selten zuhause war. Als Hauswartin von Carls Block hatte sie gegen die richtige Bezahlung und ein Andenken an eine exotische Ecke der Erde hier und da kein Problem, das zu tun, außerdem liebte sie Pflanzen. Dies war der einzige Nachteil, denn nun beharrte sie darauf, ihm mehr Grünzeug anzuschleppen und hatte ihm schon beigebracht, die Schefflera gefälligst Strahlenaralie zu nennen. Bei dem Gedanken musste Carl grinsen. Manchmal hatte er den Eindruck, die Miss Marsden habe einen Verdacht, was sein wahrer Job war, aber die Vorstellung tat er rasch ab. Zu unüblich war seine Tätigkeit, niemand würde je darauf kommen. Die Pflanze anzuschaffen dagegen war für ihn ein einer der größten Schritte in seinem Leben gewesen, das erste Mal, dass er zugelassen hatte, ein Stück zuhause in sein Dasein zu bringen, sich an einen Ort zu binden. Mehr ließ seine Arbeit kaum zu, ja selbst die Schefflera war für ihr Wohlergehen mehr auf Miss Marsden denn ihn angewiesen. Trotzdem war Carl alles andere als unglücklich über seinen Job, so lange er am Ende einer Operation wieder zu seiner Schefflera zurückkehren und neben ihr ein Bier trinken konnte.
Endlich vibrierte das Handy, erwartungsvoll klappte Carl das Cover auf. Nebst einem Bild seines Ziels erhielt er alle Angaben, die er brauchte wie Route und Fahrzeug. Routiniert sprang er vom Fensterrahmen, öffnete den Hartschalenkoffer und brachte eine kleine Drohne zum Vorschein. Bald war das zugehörige Tablet ausgepackt, der Controller eingesteckt und die Drohne auf der Fensterbank platziert. Carl schaltete sie ein und steuerte sie durch die Gassen, bis er die schwarze Limousine seines Ziels auf seinem Display hatte. Der Botschafter (ja, Carl wurde auf die hochrangigsten Ziele angesetzt) wurde ein bisschen kreuz und quer durch die Stadt kutschiert, ehe der schwarze Wagen endlich an einer dunklen Straßenecke zum Halten kam. Carl ließ die Drohne hoch genug schweben, um nicht aufzufallen und aktivierte das Richtmikrofon, als der Botschafter ausstieg. Es dauerte kaum eine Minute, bis zwei Herren in schwarzen Anzügen dazu traten, die Carl dank eingehendem Aktenstudium sofort erkannte: Agenten einer fremden Regierung. Während Carl dem Gespräch lauschte und einen weiteren Landesverräter überführte, fragte er sich, ob es einfacher gewesen wäre, wenn er eine Karriere bei der Armee gewählt hätte. Dann hätte er statt dem kleinen Ding mit echten Predator-Drohnen zu tun. Oder wäre er Profikiller geworden, könnte er nun den Botschafter einfach erledigen, statt erst alles zurückmelden, bevor sich eine andere Abteilung des Geheimdienstes um den Rest kümmerte. So war das nun mal, sogar die tollsten Jobs hatten ihre kleinen Nachteile. Plus, am Ende konnte er stets wieder nach Hause gehen, zu seiner Schefflera in dem kleinen Apartment. Sie war dank Miss Marsdens Pflege und ihrem Platz nahe der Balkontür schon gewaltig gewachsen, eines Tages, wenn Carl in Rente ging, wäre sie deckenhoch. Der Agent kam nicht umhin, zuzugeben, wie sehr ihm die Vorstellung gefiel, als alter Mann unter seiner Schefflera zu sitzen und Actionserien im Fernsehen anzuschauen. Ja, er war sehr genügsam, er mochte seinen Job, seine Schefflera, seinen Fernseher und seine Zukunft. Mittlerweile war das Treffen des Botschafters mit den Vertretern der fremden Regierung zu Ende und Carl lenkte seine Drohne auf den Rückweg, froh darum, die Karriere eines weiteren Verräters zu zerstören. Er war derart auf sein Display konzentriert, dass ihm ein gewaltiger Fehler unterlief – er hatte übergehört, wie jemand hinter ihn getreten war, bis man ihm eine Waffe an den Kopf hielt. „Keine Bewegung“, erklang eine tiefe Stimme und Carl erstarrte. Langsam setzte er dazu an, die Hände zu heben und ging seine Optionen, den Gegner zu überwältigen, durch. Die Frage, wie sie ihm überhaupt auf die Spur gekommen waren, verdrängte er, sie spielte jetzt keine Rolle. „Bring die Drohne zurück“, befahl der Unbekannte. Natürlich, er wollte alle Beweise haben – das war Carls Chance. „Okay“, sagte er und konzentrierte sich wieder auf das Tablet. Jemand anderes hätte dem Gegner vermutlich Fragen gestellt, wer er sei, was er vorhabe – aber nicht Carl. Er wusste, wie irrelevant all das war und konnte sich auch so denken, welche Macht den Kerl entsandt hatte. Das einzige, was zählte, war, einen Ausweg zu haben und darin war Carl der beste.
Schweigsam steuerte er die Drohne durch die Stadt, auf das Fenster zu, hinter dem er und seine neue Nemesis waren. Bald kamen auf dem Display er selbst sowie der der bewaffnete Hüne in Sicht und ein Teil von Carl freute sich, immerhin wäre dies sein erster echter Drohnen-Angriff. Im letzten Moment beschleunigte er das Gefährt auf das Gesicht seines Gegners, was dieser mit einem erschrockenen Grunzen quittierte. Als die Drohne durchs offene Fenster raste und dem Kerl die Visage polierte, warf Carl sich aus der Schussbahn, packte den Hartschalenkoffer und donnerte ihn dem feindlichen Agenten auf den Schädel, einmal, zweimal, dreimal …
Schwer atmend stand Carl über der Leiche und einem Sammelsurium aus Drohnen-Trümmern. „Niemand steht zwischen mir und meiner Schefflera, Motherf…“

Autorin: Sarah
Setting: Fensterrahmen
Clues: Drohne, Strahlenaralie, Fernweh, Feige, Auszeichnung
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