Fan-Bonus | Dieter und das Rätsel der Truhe

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.
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Eigentlich war Dieter Dachs mit seinem Dasein völlig zufrieden. Unterm Wurzelstock herrschte Ruhe und seit er das Panoramafenster in den Baumstamm eingebaut hatte, fiel es Manfred Motte schwer, ihm abends auf den Zeiger zu gehen. Nun klebte der nervige Nachbar fluchend außen am Fenster, wenn Dieter das Licht anmachte. Einzig die Eisenstange, die er als [passster password=“rE498-4721dsf“]Stammhalter in der Mitte seines Apartments montieren musste, störte ihn manchmal, aber das war halt der Preis für einen zu stark ausgehölten Baumstamm. Sicher, auf lange Sicht sollte er sich wohl eine neue Bleibe suchen, der Pilzbefall an den Innenwänden nahm bislang ungesehene Ausmaße an und das Fungizid roch auch nicht gerade nach Frühlingswiese. Doch der optimistische Dachs ließ sich von solchen Dingen selten entmutigen, man lebte schließlich nur einmal, das wurde Dieter immer mehr bewusst. Deshalb hatte er vor einigen Jahren seine Einbrecher-Karriere aufgegeben und war Buchhalter geworden.
„So ist das eben“, seufzte Dieter Dachs, trippelte zum Kühlschrank und holte sich einen Eistee (für Bier war es noch zu früh). Kaum wollte Dieter es sich auf der Couch mit dem Tannennadeln-Bezug bequem machen, klingelte es. „Herein“, rief der Dachs, da er mit Besuch von seinem alten Freund Fritz Fuchs rechnete. Stattdessen steckte der Bürgermeister Bernhard Bär den Kopf durch die Tür (der Rest seines massiven Körpers passte gar nicht erst durch die Öffnung). „Hallo Dieter“, holte Bernhard aus und schluckte, da er ein Bär war so laut, dass es das ganze Apartment erschütterte, „wir brauchen deine Hilfe.“
„Meine Hilfe?“, fragte Dieter erstaunt. „Womit könnte ich denn helfen?
„Na ja“, druckste der Bürgermeisterbär, „wir haben auf der Gemeindeverwaltung eine antike Truhe gefunden, du weißt schon, diese Holzdinger, die man früher als Gepäck herumgeschleppt hat. Wir möchten wissen, was drin ist, können sie allerdings nicht öffnen.“
Dieter begriff zuerst nicht, worauf Bernhard hinauswollte. „Und was hat das mit mir zu tun?“
„Jeder weiß, dass du ein Einbrecher warst, Dieter“, gluckste Bernhard amüsiert, was den ganzen Dachsbau mit Lachsgeruch erfüllte. „Kannst du das Schloss knacken?“
„Hm“, machte Dieter, ohne seine zweifelhafte Vergangenheit, die im Wald ein offenes Geheimnis war, direkt zuzugeben. Es wäre bestimmt praktisch, wenn ihm der Bürgermeister einen Gefallen schuldete. „Das wird mit ein bisschen Friemeln gehen.“
„Prima, das hat nicht mal meine beste Überredungskunst gebraucht“, meinte der Bär gutgelaunt, sein Kopf verschwand aus der Tür und er schob mit der Pranke eine Holztruhe herein. „Bitteschön.“
Dieter trottete zu einer Kommode, in der er sein altes Einbruchswerkzeug aufbewahrte. Mit einem Dietrich kehrte er zurück, kauerte vor die Truhe und machte sich am Schloss zu schaffen. „Sag“, begann er, „wieso hast du dich nicht einfach draufgesetzt?“
„Draufgesetzt?“ Bernhard musterte ihn verwirrt. „Was, auf die Truhe?“
„Ja, genau.“ Dieter spürte den Schließmechanismus und pulte weiter. „Du bist ein Bär, du könntest die Truhe zerbrechen um an das zu kommen, das drin ist.“
„Machst du Witze? Was, wenn da Dynamit drin lagert und meinen Hintern verkokelt? Das hier war früher ein Bergbaugebiet, sowas will ich niemals riskieren!“
Dieter konnte nicht anders, er grölte laut los. „Wieso sollte jemand Dynamit in der Gemeindeverwaltung lagern?“
„Du lachst jetzt, dabei wäre Dynamit keineswegs das komischste, was dort zu finden ist. Der halbe Keller ist voll mit Elfriede Eichhörnchens Nüssen, weil sie zwanzig Jahre Gemeindeschreiberin war.“
„Na dann …“
„Außerdem könnten Termiten in der Truhe wohnen, die herauskommen und alles annagen, die willst du nicht aufwecken“, ergänzte der Bürgermeister. Dieter erschauderte bei der Vorstellung, immerhin hauste er in einem Baumstamm. Trotzdem überwand er sich, das Schloss fertig zu knacken und gab ein erfreutes „so“ von sich. Wären tatsächlich Termiten in der Truhe, würde ihm die Gemeinde einen neuen Baumstamm bezahlen, an und für sich kein schlechter Deal. Ein neuer trockener und luftdichter Stamm, könnte ihm sogar Kosten für Entzündungshemmer sparen, sinnierte Dieter und langte nach den Griffen. Gespannt beobachtete ihn Bernhards durch riesige Augen, als er den Deckel der Truhe anhob und ins Innere starrte. „Na, Dieter, was ist es?“
„Nichts“, entgegnete Dieter ungläubig.
Bernhard versuchte erfolglos sich weiter durch den engen Eingang zu quetschen. „Wie meinst du das, ‚nichts‘? Ist sie leer?“
„Ja … nein … vielleicht?“ Dieter kippte die Truhe leicht, damit Bernhard hereinschauen konnte. Als der Bär die gähnende Schwärze sah, gab er ein überraschtes Keuchen von sich. „Was um alles im weiten Wald ist das? Ein schwarzes Loch?“
„Hm.“ Unschlüssig stand Dieter über dem mysteriösen Gepäckstück aus einer anderen Zeit. „Werfen wir was herein und sehen was passiert?“
„Okay.“ Nahezu respektvoll hielt Dieter die Hand mit dem Dietrich über die Truhe und ließ los. Geräuschlos fiel das Werkzeug in die Dunkelheit und wurde von ihr verschluckt. „Was ist das? Wieso habt ihr sowas im Keller?“
„Keine Ahnung“, brummte Bernhard. „Ein Aktenvernichter aus einer anderen, finsteren Ära? Wie gesagt, alles, was jemand in diesem Wald verstecken oder loswerden will, landet im Keller der Gemeindeverwaltung.“
„Was, wenn Gemeinderätin Gertrude Glühwürmchen hineinfliegt? Die könnte Licht ins Dunkel bringen.“
„Passiert ihr was, wäre das ein versicherungstechnischer Albtraum“, stöhnte Bernhard. „Sie ist Beamtin, weißt du, wie viel Papierkram das gäbe?!“
„Ist ja gut, ist ja gut“, beschwichtigte Dieter den Bürgermeister. „Ich behalte die Truhe mal da und gehe dem auf den Grund. Okay?“
Bernhard ächzte erleichtert. „Okay, da bin ich froh.“ Offenbar glücklich damit, diese Sorge vorerst vom Hals zu haben, zog Bernhard sich aus dem Loch zurück und stapfte von dannen. Dieter hingegen dachte an nichts anderes als die vor ihm stehende Truhe. Gebannt hockte er da und blickte in die unendliche Schwärze, die entweder alles vernichtete, was sie verschlag oder aber ein Portal in eine andere Dimension war. Egal, was er hineinwerfen musste, und sei es sein gesamtes Inventar, egal wie viele Experimente es dafür benötigte, er fände heraus, ob er damit in den Banktresor einbrechen könnte.

Autorin: Sarah
Setting: Unterm Wurzelstock
Clues: Tannennadeln, Überredungskunst, Friemeln, Stammhalter, Entzündungshemmer
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