S08E06 | Akkurat

Wir möchten euch herzlich zur sechsten Episode der achten Staffel des Kurzgeschichten-Podcasts Clue Cast begrüssen. Sie basiert auf der Story „Akkurat“ von Rahel. Es ist nicht immer einfach, die Gefühle anderer akkurat zu interpretieren. In dieser Geschichte wurden die vorgegebenen Clues „Glocke, Kontinuität, Warze, Nasenspray“ und „Eigelb“ vertextet und sie spielt am Setting „Tram“. Der Sprecher dieser Episode ist Dennis Prasetyo. […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Vier

Dies ist der 4. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Himmel, jetzt ist die Schlange schon wieder so lang“, beschwert sich Mika, was ihm von allen erstaunte Blicke beschert – normalerweise wäre er der letzte Kandidat dafür, über etwas Alltägliches zu lamentieren. „Egal, wie viel sie ausbauen, sie kommen der Nachfrage nicht hinterher.“
„Ich dachte, ausgerechnet du als Physiker würdest jetzt einfach einen Witz über Gravitation machen“, kichert Nadine. „Vielleicht haben die ja ein schwarzes Loch im Club versteckt?“
Ich wende mich kurz dem „The Clue“ zu, Mika hatte Recht, die Schlange ist tatsächlich […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Drei

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Glaubst du, das war eine gute Idee?” Kathrins Augen springen immer wieder von Mika und Anton zu mir. Sie denkt wohl, ich könne sie über das fröhliche Gemurmel der umstehenden Leute nicht hören. Sie irrt sich, schließlich ist ihre Stimme dermaßen gellend hell, sodass man sie selbst durch einen Hurrikane ausmachen könnte. Über mich selbst verwundert, schüttle ich den Kopf. Seit wann bin ich so garstig? Das ist mir letztens bereits aufgefallen, als ich gemeinsam mit Mika auf der Terrasse saß und mir eine gemeine Bemerkung über eine vorbeispazierenden Nachbarin erlaubte. Mein bester Kumpel irritierte das vermutlich gleichermaßen, zumindest schielte er argwöhnisch […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Zwei

Dies ist der 2. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

Kathrin starrt nachdenklich auf ihre wie immer perfekt mit dunkelrotem Nagellack manikürten Finger. Offenbar hat sie einen jener Momente, in denen sie das Geschehen um sich herum ausblenden kann. Ich frage mich, ob ich in der Stimmung, in der sie sein muss, noch etwas so unwichtiges zustande brächte wie die Nägel zu lackieren (nicht, dass ich mir die Nägel lackiere, versteht sich). Ich folge ihrem Blick, vorbei an ihren schönen Händen und auf den regennassen Boden, in dem sich das gelbe Neonschild des „The Clue“ zwischen den unzähligen Schuhen der Wartenden spiegelt.
„Hey, Anton, träumst du oder was?“, stupst mich Nadine an, ehe sie schäkert: „Komm […] Weiterlesen

Special zum vierjährigen Jubiläum | Jahr Eins

Dies ist der 1. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Vier Jahre“.

„Miiiiika“, drängelt Nadine, indem sie meinen Namen in die Länge zieht und mich in die Seite kneift. Vor einem Jahr wäre es für mich unvorstellbar gewesen, mich so bereitwillig von ihr anfassen zu lassen. Zugegebenermaßen bleibt es bis heute etwas unangenehm, gleichwohl weiche ich weder aus, noch würde ich ihre Anhänglichkeit mit einem ungehaltenen Blick. „Mach vorwärts!“ Sie hatte sich vorhin mit Kathrin getroffen, um sich für die Party zurechtzumachen und, so wie es aussieht, vorzuglühen.
„Was erwartest du von mir, Nadine? Soll ich die Schlange wegzaubern?“, erwidere ich auf die Leute vor mir deutend. […] Weiterlesen

Akkurat

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

„Wie meinst du das?“ Es ist die schlimmste aller Fragen, eine der dümmsten noch dazu. Das Problem: Sie ist dringend notwendig, haftet als Sinnbild der immensen, scheinbar bodenlosen Ineffizienz der menschlichen Kommunikation jedem Gespräch an.
„Genauso, wie ich es sage“, erwidere ich rasch und hoffe, diese simple Antwort würde die metaphorischen Wolken zwischen uns lichten. Das Tram ist beinahe leer, offenbar gehören wir zu den wenigen, die sich so früh von den Festivitäten verabschieden wollten. Bei mir ist das nicht weiter verwunderlich, es gibt kaum Massenveranstaltungen, die ich länger als unbedingt notwendig ertragen will. Allerdings fand ich es etwas kurios, dass […] Weiterlesen

Kleine Rede

Ein verärgerter Blick auf das Smartphone verriet Mike, dass er seit gerade mal siebenunddreißig Minuten hier war. Er seufzte, strich über seinen Dreitagebart und versuchte den Lärm zu ignorieren, der hier als Musik gespielt wurde. Seine Mitbewohnerin hatte es sicher gut gemeint, als sie Mike mit den Worten „Ach komm schon, du gehst viel zu selten aus!“ mehr gedrängt als eingeladen hatte. Trotzdem konnte er sich mit seiner aktuellen Situation nicht anfreunden und überschlug gedanklich die minimale Zeitspanne, nach der er ohne unhöflich zu wirken wieder abhauen konnte. Nach einigem hin und her entschied er, dass dreiundfünfzig Minuten ausreichen sollten. Direkt nach ihrer Ankunft auf der Party war seine Mitbewohnerin in der Menge aus schwitzenden und nach Parfüm und Alkohol stinkenden Partygängern verschwunden. Mike hatte nur kurz versucht, sich unters […] Weiterlesen

Bermudadreieck

Müde sitze ich im beinahe leeren Intercity-Wagen, strecke mich und mache mich dann daran, meinen Laptop zusammenzuklappen und in der Umhängetasche zu verstauen. Nur mit halbem Ohr lausche ich der Durchsage des Zugbegleiters, dass wir gleich pünktlich in Zürich eintreffen werden und dies der Endbahnhof sei, bevor er mit einer unendlich scheinenden Geduld alle Nacht-S-Bahn-Anschlüsse aufzählt. Ich habe es nicht eilig, muss keinen Anschluss mehr erwischen und werde gleich zuhause sein. Während Weiche um Weiche einen mehr oder weniger sanften Stoß durch den Wagenkasten schickt und ich unfreiwillig hin- und herwippe, schaue ich abwesend aus dem Fenster. Gerade überquert der Zug die Langstraße, eine helle und beinahe schnurgerade Schlucht quer durch die Stadt, die unzählige Clubs, Take-Aways und Bars in allen erdenklichen Farben erstrahlen […] Weiterlesen

Halloween-Special | Nur ein toter Zombie ist ein guter Zombie

Die Nachmittagssonne schien Samantha unerbittlich blendend mitten ins Gesicht, als sie aufwachte und ein genervtes Stöhnen von sich gab. Sie brauchte einige Auenblicke, bis sie wieder wusste wo sie war. Das Atelier, in dem sie wohnte, sah verwüstet aus. Überall war Fledermauskonfetti über den Boden verstreut und neben vielen leeren Alkoholflaschen fielen vor allem die Kürbisse auf, die so aussahen, als ob sich jemand auf sie gesetzt hatte. Sie konnte die stechenden Schmerzen in ihrem Rückgrat fühlen und begriff, dass sie auf dem Glastisch geschlafen hatte, dessen transparente Platte nun von tausenden kleinen Rissen durchzogen war und bereits leicht durchhing. Sie ruderte leicht panisch mit den Armen in der Luft, um das Gleichgewicht zu behalten, während sie von der Platte herunterkrabbelte, bevor diese endgültig durchbrach. Leicht […] Weiterlesen