Niemand ist besser als ich!

Er stinkt nach dem Stück speckiger Kernseife, die der Wirt im Dorf für seine Gäste bereitstellt und einem scharfen Aftershave. „Das FBI hat mir Sie geschickt“, nuschle ich missmutig.
„Sheriff Rysio, ich kann Ihnen versichern, der Beste für den Job zu sein, ich habe meine Abschlussprüfung mit Bravour und Ehren bestanden.“ Das mag sein, vermutlich war es erst dieses Jahr. Bolzengerade sitzt er auf dem Schemel und wirkt in meiner kleinen Kammer, überhaupt hier in der Gegend, völlig deplatziert. Der Detective macht einen weichlichen Eindruck, es wäre ein Wunder, gelänge es ihm, Persiher Pete an den Galgen zu knüpfen. „Niemand ist besser als ich!“ Ich grunze, reden war nie meine Stärke und wird es auch nicht werden. „Ein Säufer hat sich verplappert und mir gesteckt, er habe Perisher und seine Bande letzten Sonntag durch den Canyon reiten sehen. Gegen Westen.“
„Und?“, brumme ich und spucke meinen Zahnstocher auf die Dielen. Vom Krieg halten sich schlaue Kerle und unfähige Tölpel fern und etwas sagt mir, Detective Hall Colley gehört zur zweiten Sorte.
„Ich bitte um Ihre Hilfe, Sheriff“, blafft er verärgert. „Lassen Sie es bei der freundlichen Bitte bleiben, die Vorgesetzen-Keule packe ich ungern aus.“ Ächzend erhebe ich mich, drehe ihm den Rücken zu und werfe ein Holzscheit ins Feuer. Ich fühle, wie er mich beobachtet, darauf wartet, dass ich auf sein Machtgehabe reagiere. Stattdessen kehre ich auf meinen Platz zurück und starre ihn schweigend an. „Nun, ähm“, stammelt der Detective, es ist für ihn wohl ungewohnt, mit jemandem zu tun zu haben, der ihm nicht in den Arsch kriecht. „Auf jeden Fall, ähm, müssen wir die Bergroute nehmen, wenn wir sie einholen wollen. Sind Sie bereit dafür?“
„Keiner, der bei Verstand ist, reitet mit einer farbigen Crew gegen Westen“, gebe ich zu bedenken und nehme meine Tabakdose aus der Schreibtischschublade. „Die Rebs haben Castor Bridge besetzt und knüpfen jeden auf, dessen Arsch nicht leuchtet, als wär er der Vollmond persönlich.“
„Oh.“ Der Detective kratzt sich betreten am glattrasierten Kinn. Wahrscheinlich war es das erste Mal, dass der Bursche auch nur in die Nähe von Graybacks kam. „Sie glauben, die sind über den Pass?“
„So blöd sind nicht mal Petes Männer“, wende ich nach einer kurzen Pause ein, lege meine gedrehte Zigarette beiseite und strecke mich in meinem Stuhl. „Nein. Die Idioten sind Richtung Passings Ridge unterwegs.“
„Woher wollen Sie das wissen?“ Sein Geruch wird von Minute zu Minute übelkeitserregender, mit dem Rasierwasser könnte er Braunbären in die Flucht schlagen.
„Der einzige Übergang“, knurre ich, genervt von der Begriffsstutzigkeit meines Gegenübers. Ich lasse ihn einige Sekunden zappeln, bevor ich erkläre: „Der einzige, der weder von Rebellen, noch Pumas und Wölfen bewacht wird.“
„Pumas?“ Eine Weile bleibt es still in meiner bescheidenen Sheriffskammer und beim Blick in sein leeres Gesicht dämmert mir, meine schlechte Meinung von Detective Hall Colley war zu optimistisch. „Raubkatzen“, erläutere ich kopfschüttelnd. „Große Raubkatzen.“
„Natürlich. Raubkatzen und Wölfe“, versucht mir der Yankee weiszumachen, er habe den Hauch einer Ahnung, mit was er in der Wildnis zu rechnen hat. „Sie meinen also, die Perisher Gang ist über Passings Ridge geflüchtet?“
„Sie hören nicht richtig zu, Detective“, seufze ich. Ohne meine Hilfe gelingt es ihm nimmer, Pete und seine Crew festzunehmen, das ist so klar wie Higgins Schwarzgebrannter. „Sie sind unterwegs dorthin.“
„Das ist gerademal ein Viertagesritt und die Halunken sind vor über einer Wo…“
„Es ist Frühling“, unterbreche ich den Detective und lasse ihn schmoren, selbstverständlich wird er den Zusammenhang nicht kapieren, doch ich will, dass er es zugibt. Gemächlich klopfe ich meine Zigarette auf dem Tisch und stecke sie mir an, während ich ihn wortlos anschaue.
„Frühling?“, fragt er endlich und spielt beschämt mit der Kette seiner teuren Taschenuhr.
„Der Gletscherbach führt viel Wasser“, hole ich aus und koste es aus, den feinen Herrn schwitzen zu sehen. „Die sitzen mindestens eine Woche am Pass fest.“
„Ach.“ Er bemüht sich, so zu klingen, als wüsste er, wovon ich spreche. „Stimmt. Deshalb gehe ich davon aus, sie haben die Bergroute genommen.“
„Sind Sie schon einmal einem Puma begegnet, Detective Colley?“ Ich ziehe meinen Colt, beuge mich vor und fixiere den Jungspund, bis ihm sichtlich unwohl wird und er wegrückt.
„Nun.“ Er kam ins Stocken. „Nein.“
„Oder einem Rudel vom Winter ausgehungerter Wölfe?“ Ich genieße seine Hilflosigkeit. Ma hatte recht, in mir schlummert eine sadistische Ader und gerade ist sie dabei, aufzuwachen.

Fortsetzung folgt
Autorin: Rahel
Titelvorgabe: Niemand ist besser als ich!
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