Fan-Bonus | Geheimdienst am Gartenzaun

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Ich nehme einen tiefen Atemzug und lehne mich gegen die Rückwand des Gartenhäuschens. Die hölzerne Reisetruhe meiner Uroma knarrt unter meinem Hintern und ich wundere mich, ob es gescheiter wäre, woanders hinzusitzen. Aus Gewohnheit bleibe ich, wo ich bin. Dann wird mir bewusst, [passster password=“rE498-4721dsf“]wie meine mühselig gestaltete Lockenpracht die wahrscheinlich verdreckten Holzlatten berührt. Ebenfalls kein Grund, mich zu bewegen, mein Vorhaben ist zu wichtig und ich bin zu träge. Meine Prioritäten sind klar, mein Plan ebenso und meine Sturheit wird siegen, immerhin bin ich kein Anfänger.
Exakt auf die Minute (ich schaue auf die Armbanduhr) vernehme ich Frau Meier, welche die Haustür öffnet und auf den Vorplatz trippelt. Mein Gartenhäuschen ist der befestigte Geheimdienst-Außenposten meines kleinen, souveränen Wohnungsstaats. Als ich vor einigen Monaten bemerkte, dass ich durch die Ritzen die Nachbarschaft beim Klatsch bespitzeln kann, ohne entdeckt zu werden, hat sich mein Leben drastisch verändert. Frau Meier macht es sich auf der Bank am Straßenrand gemütlich und streicht ihr Kleid glatt. Es kann losgehen. Erst war es ein Ärgernis für mich gewesen, den Klatsch der Nachbarn mitzubekommen, zumal mich die Gefühle meiner Mitmenschen genauso wenig interessieren, wie der Vogelkot auf ihren Dächern. Eine zufällige Gegebenheit hat mich allerdings zur Lauschexpertin mutieren lassen. Reality-Shows à la „Goodbye Deutschland“ und „Der Bachelor“ kommen gegen mein tägliches Soap-Krimi-Crossover niemals an.
Und schon ist es so weit. Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk (oder ist es ein Schweizer Zug? Ich verstehe die Leute aus diesem Alpenländchen kaum, muss am Dialekt liegen) schlurft Frau Müller über die Straße und macht es sich neben der Meier auf der morschen Holzbank bequem. Ob es heute wieder ein Geständnis ihrer Schandtaten gibt? Gespannt spitze ich die Ohren. Sie begrüßen sich, diskutieren ihre Gebrechen und beobachten ein Rotkelchen, das auf meinem Apfelbaum hockt und in die Ringelblumen kackt. „Komm schon“, denke ich mir. Spionage benötigt Geduld, eine der Fähigkeiten, die bei mir lediglich dürftig vorhanden ist. „Ganz ruhig bleiben, Mädchen“, ermahne ich mich dazu, mein Skillset in diesem Bereich weiter zu trainieren. Schwäche ist im Kalten Krieg am Gartenzaun unverzeihlich. Meine Pobacken haben das Memo wohl verpasst, denn sie schwächeln ganz schön und schmerzen auf der harten Reisetruhe (ich sollte mir ein Kissen besorgen). Endlich, als fühlten die beiden Damen im mittleren Alter (die sich eher wie Rentnerinnen benehmen) meine Ungeduld, kommen sie auf mein Lieblingsthema zu sprechen.
„Na, die Möller ist heute auch nirgends zu sehen“, beginnt Frau Müller, die Rädelsführerin in der psychologischen Kriegsführung gegen die Möller (also gegen mich, ja, ich bin die Möller). Meier gibt ein zustimmendes „Hm“ von sich, ehe sie kichert: „Na, ihr Mann ist arbeiten, da kann sie lange pennen. Mehr als den Garten kriegt die sowieso nicht auf die Reihe.“
Da ich seit meinem Unfall als arbeitsunfähig gelte, kenne ich die Vorwürfe, ein fauler Sack zu sein. Nun gut, damit lebe ich gerne, alles Teil meiner Hausfrauen-Soap. Die Müller ist selbstverständlich sofort dabei: „Stimmt. Trotzdem dürfte sie netter sein, letzthin ist die echt jedes Mal mürrisch, wenn ich ihr im Garten über den Weg laufe.“
„Tja, buddeln kann sie“, lacht die andere. „Buddeln und dabei ihren Arsch in hautengen Leggings dem Herrn Meetz präsentieren. Als ob sich der für so eine abgetakelte Fregatte begeistern würde.“
Ich unterdrücke ein Grinsen, schließlich trage ich meine Trainingshosen, weil ich beim in der Erde Rumstochern ins Schwitzen komme. Aber zu für mich schmerzhaften Arbeiten würde sich weder die Müller noch die Meier herablassen. Ja, das Geläster über mich amüsiert mich, wurde ein fester Bestandteil meines Tagesrituals. Mittlerweile überlege ich mir sogar kleine Streiche, um ihnen Gesprächsstoff zu liefern, sie zu verwirren. Etwas modifiziertes Verhalten, weniger höfliche Grüße, einen tiefen Ausschnitt (inzwischen ist die Truhe unter mir voll mit freizügigen Klamotten) und, zack, schon stieg der Unterhaltungswert meines Programms proportional zu meinem Ruf als „arrogantes Tittenflittchen“, wie es die Müller so hübsch ausdrückte. Bei dem Gedanken halte ich ein Glucksen zurück.
Die beiden Damen (wenn man sie denn so nennen möchte) sind bei dem Thema angelangt, das meine Soap zur Krimiserie werden lässt. Frau Müller, die Leitwölfin des nicht-so-dynamischen Duos, spottet: „Na, die Margriten kann die Möller dieses Jahr vergessen. Ich bin mir sicher, die fragt sich, wieso da nix wächst, so ein Unkrautvertilger wirkt Wunder.“
Den Kalten Krieg aufzuwärmen, war eigentlich eine tolle Idee (bloß lauwarm, ich will mir ja nicht die Finger verbrennen), gegen Sabotage hätte ich daher nichts einzuwenden. Doch ihre Taten gingen zu weit und sie wurden von meinem RTL-Ersatz zum Feind. Niemand, wirklich niemand, fasst meine Blumen an, ohne zu bezahlen. Mit der Hilfe meines Freundes Photoshop habe ich einige Zahlen auf manchen ihrer Dokumente … Nun, sagen wir: Aufgewertet. Da ich aus der Zeit, in der ich noch berufstätig war, den Schlüssel zum Verwaltungsgebäude als Souvenir behalten habe (das ist übrigens verboten!), war es mir ein Leichtes, sie gegen die Originale auszutauschen. Natürlich blieb ich brav, zumindest meistens. Ein paar Nullen mehr auf dem Schuldschein hier, ein falsches Geburtsdatum da. Kinkerlitzchen, nichtsdestotrotz Genugtuung. Eines Tages werden sie diese Dinge einholen und ihnen Mühsal bereiten (man darf ja wohl seinen Spaß haben).
Seit der Sache mit den Margriten hat sich die Prämisse geändert. Wenn die beiden glauben, totalen Krieg gegen meine Blumenpracht führen zu können, haben sie sich geschnitten. Denn ich weiß sehr viel über sie. Ich weiß, dass weder Herr Müller noch Herr Meier Bärlauch mögen. Ich weiß, dass die beiden Damen ihn lieben. Ich weiß, dass die Herren gerade auf einer Geschäftsreise unterwegs sind, also gibt es Bärlauch-Pesto zum Abendessen, das sich meine beiden Feindinnen teilen werden. Und, am wichtigsten, ich weiß, wie viele Herbstzeitlosen ich unter ihren Bärlauch pflanzen muss, damit sie sich an den Inhaltsstoffen vergiften.
Okay, ihr dummen Trullas: Hier sind wir, drei Hausfrauen in reifen Jahren in einem deutschen Vorort. Und nur eine wird diesen Vernichtungskrieg überleben.

Autorin: Sarah
Setting: Gartenhäuschen
Clues: Lockenpracht, Ärgernis, Geständnis, Photoshop, Inhaltsstoffe
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