Fan-Bonus | Sebastiens Frau wird’s schon richten

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Mit beschwingten Schritten betrat Sebastien den Eingangsbereich und sah sich in der luxuriösen Verlagshauslobby um. Wie heutzutage ein Verlag, der vor allem Print-Bücher herausgab, noch so viel Geld machen konnte, war ihm unklar. Andererseits hatte der Autor noch nie viel vom Verlagswesen begriffen, immerhin sah er nur das Schreiben als seine Aufgabe, nicht die wirtschaftlichen Aspekte dahinter.
[passster password=“rE498-4721dsf“]Die Mappe mit seinem neuesten Manuskript, das er gestern ausgedruckt hatte, unterm Arm, schritt er entschlossen durch den Raum und versuchte, sich seine Unruhe nicht anmerken zu lassen. Die Dame, die hinter dem langen Empfangspult saß, schien den Begriff „demotiviert lächeln“ in ihrer Stellenbeschreibung zu haben, denn Sebastien glaubte, ihr die Routine darin anzusehen. „Guten Tag“, begrüsste er sie und ergänzte: „Ich habe einen Termin mit Herr Büchele. Um vierzehn Uhr dreißig.“ Nach einer Pause ergänze er: „Girot. Ich bin Sebastien Girot.“
„Sicher“, meinte die Empfangsdame ohne Namen (wie es sich für unwichtige Nebencharaktere gehörte) und deutete dann auf einige Sessel an einem Glastisch, die neben einem mannshohen Ficus standen. „Nehmen Sie bitte Platz, Herr Büchele wird in Kürze herunterkommen.“
„Danke.“ Damit schlenderte Sebastien in die ihm gezeigte Richtung und machte den Fehler, kurz auf den Boden zu sehen, wo er etwas braunes an seinem Schuh erkannte. „Verflucht“, dachte er sich. Er musste beim Waldspaziergang am Vormittag in etwas getreten sein, das kurz zuvor aus einem Hundehintern gekommen war. Diese verdammten, kackwurstpressenden Kläffer regten ihn auf, man könnte auch im Gebüsch den Darm entleeren wie ein normaler Hund! Und seit Elfriede, seine alternde Pudeldame, am Hinterbein humpelte, achtete er mehr auf sie als darauf, wo die Hunde der anderen hinkackten. Nun ja, eigentlich nervten ihn eher die Hundehalter, die den Kot nicht wegräumten, doch heute wollte sich Sebastien nichts anmerken lassen, zu wichtig war das Gespräch. Wenn der Verlag mit ihm einen Vertrag für sein neuestes Werk abschloss, würde er im kommenden Jahr kaum aufs Geld achten müssen. Zwar würde er das auch nicht müssen, wenn er das Einkommen seiner Frau, die Managerin bei einem Pharmaunternehmen war, bedachte, nur wollte er auch für sich selbst sorgen können (zumindest dieses Jahr, im letzten hatte das nicht geklappt). Immerhin hatte ihm seine Frau heute Morgen Hals- und Beinbruch gewünscht, ehe er sich auf den Weg zum Verlag gemacht hatte und das war keineswegs der einzige Weg, in dem sie ihn unterstützte. Und nun saß er hier und wartete darauf, eine Audienz mit dem Verlagstypen und wischte sich dabei ein paar Pudelhaare von der Jeans. Sebastien warf einen Blick auf seine Armbanduhr, dieser Büchele war bereits fünf Minuten zu spät. Wenn das so weiterging, würde er früher oder später die Geduld verlieren, sich auf den Rücken legen und zu schreien beginnen. Ja, Geduld war noch nie Sebastiens Stärke gewesen.
Da endlich tauchte jemand aus der Liftkabine auf, ein Herr in Anzug. Und in der Tat kam er direkt auf Sebastiens Sitzecke zu, trat heran und grüßte freundlich. „Herr Girot? Ich bin Marcel Büchele.“
„Freut mich, Herr Büchele“, meinte Sebastien und erhob sich, aber der andere winkte ab. „Hier ist es so ruhig, wir können uns genauso gut hier unterhalten, statt ins Büro hochzugehen. Ist Ihnen das recht?“
„Sicher.“ Sebastien war es egal, wo sie sich besprachen, Hauptsache er bekam seinen Verlags-Deal. Zufrieden machte es sich Büchele bequem und deutete auf die Mappe. „Sie müssen das Manuskript nicht mitbringen, die Kopie per E-Mail hätte gereicht.“
„Ach, das ist kein Problem, sicher ist sicher. Hatten Sie schon Zeit, sich das Exposé anzusehen?“
„Ja“, setzte Büchele an und Sebastien glaubte, in seiner Miene lesen zu können, wieso ihn der Verlags-Typ nicht hoch ins Büro gebeten hatte: Das hier war eine Absage. Trotzdem hatte Sebastien noch ein As im Ärmel, darum hatte sich seine Frau gekümmert. Nicht nur hatte sie ihm viel Erfolg gewünscht, sie hatte auch dafür gesorgt, dass er diesen Deal bekam, wenn nötig mit Erpressung. Sie hatte Sebastien eingebläut, den gelben Umschlag, den sie ihm in die Mappe gesteckt hatte, nicht zu öffnen, sondern direkt an Büchele zu überreichen, sollte er ihm eine Absage erteilen. „Besser, du weißt nicht, was drin ist, Schatz“, hatte sie ihm gesagt. Also machte Sebastien seine Mappe auf und Büchele wollte gerade eine abweisende Geste machen, als Sebastien ihm den Umschlag reichte und sagte: „Bevor sie mir absagen, bitte ich sie, das rasch anzusehen.“
„Okay …“ murmelte Büchele verwirrt, nahm den dicken Umschlag entgegen und machte sich am Verschluss zu schaffen. Insgeheim wunderte sich, was seine Frau wohl als Druckmittel gegen den Verleger in der Hand hatte, nur, wer wäre er, ihr Anliegen in Frage zu stellen? Wenn sie es ihm verheimlichen wollte, würde er das respektieren und ihrem Wunsch nachkommen, immerhin sicherte sie ihm einen tollen Vertrag, soviel war klar. Zudem könnte es gut sein, dass Büchele laut aussprach, was im Umschlag war, dann wüsste er es sowieso. Er hatte geglaubt, ohne Erfolg bald zur Bruchstelle ihrer Beziehung zu werden, irgendwann wäre sein Gejammer selbst ihr zu viel geworden und sie hätte ihr früher oder später umgebracht oder einen Scheidungsanwalt engagiert. Er hätte es ihr nicht einmal verübeln können, Schriftsteller waren nun mal mehrheitlich mühsame Menschen, die man kaum aushalten konnte (zumindest war Sebastien davon überzeugt).
Dankbar, eine derart geduldige Frau zu haben, beobachtete er, wie Büchele den Umschlag aufriss. Nur brachte er nichts zum Vorschein, sondern wurde im nächsten Moment von einer Explosion zerfetzt.
Sebastien hatte keine Ahnung, wie lange er bewusstlos gewesen war. Erst konnte er nur die Scherben des Glastisches sehen und panische Rufe von den Leuten hören, die das Gebäude evakuierten. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit fiel ihm das Blut auf seinen eigenen Händen auf, die Blutlache, in der er lag. Und mit einem Mal begriff er den Plot seiner Geschichte: Er würde als der verbitterte Schriftsteller gesehen, der nach einer Absage seinen Verleger umbringt. Das gäbe einen passablen Krimi ab, dachte er sich, nicht ganz ohne Stolz auf seine Frau (und Mörderin), als er endgültig in die Dunkelheit abdriftete.

Autorin: Sarah
Setting: Verlagshauslobby
Clues: Hundehintern, Hinterbein, Beinbruch, Bruchstelle, Stellenbeschreibung
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