Fan-Bonus | Witzlos

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„Dad, Mom, kann ich mit euch reden?“, fragt Jake seinen Kopf ins Büro streckend.
„Ich hab viel zu tun.“
„Es ist wichtig.“
„Er sagt, es ist wichtig, Dad.“
„Ich hab’s gehört, Dottie.“ Seufzend legt Dennis seine Lesebrille ab und[passster password=“rE498-4721dsf“] setzt sie mittig auf einen Papierstapel. „Na gut, komm rein.“
„Tut mir leid, gerade jetzt damit zu kommen. Die Vorbereitungswochen für die Touristensaison sind immer stressig und da möchte ich natürlich …“
„Komm zur Sache, Junge.“
„Ja, komm zur Sache“, wiederholt Dottie. Sie ist die älteste Tochter der Großfamilie, dazu noch die einzig ledige unter Jacks fünf Schwestern.
„Also … Dad, ich … Nun …“
„Herrgott, sprich!“, wettert der dunkel gegerbte Koalaliebhaber und streckt die Hand nach seiner Brille aus.
„Dad, ich werde das Koalareservat Ende Sommer verlassen.“
„Was du nicht sagst.“
„Er hat es gesagt.“
„Ich hab’s gehört, Dottie.“
„Ja, ich hab es gesagt.“ Jake deutet zum Wandkalender. „Ende Sommer. Am einunddreißigsten ziehe ich aus.“
„Aha.“ Gemächlich zieht Dennis seine Lesebrille an, öffnet eine Schreibtischschublade und zieht eine Akte hervor. „Und wohin?“
„Ja, wohin?“
„In die Stadt.“
„Oha, in die Stadt, hast du das gehört, Dad?“
„Ich hab‘s gehört, Dottie“, murmelt das Familienoberhaupt und blättert teilnahmslos um.
„Ich werde bei Blake wohnen. In seiner Wohngemeinschaft. Wir wollen … Nun … Ich will ein … Also …“
„Du vergeudest wieder meine Zeit, Junge“, gibt Dennis ohne aufzusehen von sich.
„Vergeude nicht Dads Zeit“, mahnt Dottie.
„Also, nun … Ich will Komiker werden.“
„Komiker?“
„Komiker?“
„Ja, Komiker.“
„Du bist nicht lustig.“ Mit seiner Feststellung zufrieden, winkt er seinem Sohn ab und will sich endlich den Vorbereitungen für die bevorstehende Touristenflut widmen.
„Wie, ich bin nicht lustig?“, empört sich Jake. „Ich bin sehr wohl lustig.“
„Nein, du bist nicht lustig.“
„Dottie, halt dich da raus.“
„Sie hat recht“, stellt Dennis trocken fest.
„Recht hab ich.“
„Das sagst du nur, weil sie deine Meinung nachplappert wie Banjo.“
„Deine Schwester ist kein Papagei“, erwidert der Vater, obschon seine Älteste durchaus einiges mit Banjo gemeinsam hat.
„Ja, ich bin kein Papagei.“ Die beiden Männer seufzen.
„Wenn Dottie kein Papagei ist, dann bin ich lustig.“
„Du gibst also zu, dass du nicht lustig bist?“
„Gibst es zu“, kichert Dottie, augenscheinlich amüsiert darüber, ihren Bruder ausgetrickst zu haben.
„Was?“
„Wie, ‚Was‘?“, blafft Dennis seine Brille erneut ablegend. „Du willst also zu Blake ziehen und Komiker werden. Wie stellst du dir das vor? Blake und Jake, die unlustigen Komiker?“
„Nein, Blake hat damit nichts zu tun, Dad.“
„Noch besser. Dann blamierst du dich allein.“
„Blamierst dich allein.“
„Dottie, so wahr mir Gott helfe, ich gebe dir gleich einen Nasenstüber“, fährt Jake seine etwas langsame Schwester an.
„Du bist nicht wütend auf Dottie“, meint Dennis und sieht seinen einzigen Sohn doch noch an.
„Bin ich nicht?“
„Bist du nicht.“
„Ja, bist du nicht“, echot Dottie.
„Tja gut, Dad, was bin ich denn dann?“ Herausfordernd starrt Jake seinen Vater den Koalaexperten an, der leger mit den Schultern zuckt.
„Ein Idiot.“
„Genau, ein Idiot.“
„Also jetzt bin ich wütend.“
„Auf mich oder Dottie?“
„Unfassbar!“
„Ich fasse es nicht.“ Dotties Gesicht zeigt die bekannte Mischung aus übertriebenem Selbstvertrauen und absoluter Verständnislosigkeit. Bislang war es ihr noch nie gelungen, das Geschehen um sie herum zu erfassen, da war ihr Banjo voraus.
„Ich habe es gewusst, Dad, du kapierst das nicht.“
„Was kapiere ich nicht?“
„Er kapiert sehr wohl.“
„Comedy ist meine Passion, meine Berufung, Dad.“
„Gottgegeben?“
„Gottgegeben.“, versichert Jake.
„Ein Sadist.“
„Wer?“
„Was?“, will Dottie erfahren.
„Ein Sadist, der dich beruft, ohne dir Humor mitzugeben.“
„Ich habe Humor.“
„Erzähl mir einen Witz.“
„Oh ja, erzähl einen Witz.“ Dottie klatscht, wenigstens eine Fähigkeit, die sie, aber nicht der Papagei mit dem musikalischen Namen gemeistert hat.
„Ich … So funktioniert das nicht.“
„Tut es nicht?“
„Nein. Tut es nicht.“
„War das der Witz?“
„Dottie“, ächzen Vater und Sohn unisono.
„Ja, bitte?“
„Das war kein Witz“, stellt Dennis klar und sinniert laut: „Ob Blake Witze kennt?“
„Lass Blake da raus. Meine Comedy basiert halt nicht auf blöden Witzen. Aber das kapiert ihr nicht.“
„Auf was sonst? Lustig ist man mit Witzen“, bringt Dottie tatsächlich einen eigenen Gedanken heraus.
„Hör auf deine Schwester.“
„Was?“
„Du sollst auf mich hören.“
„Ja, hör auf sie.“
„Bist du irre geworden?“ Jake reibt sich über die Stirn. „Oder so high wie deine Koalas?“
„Die sind nicht high.“
„Sind sie nicht“, verteidigt auch Dottie die Tiere.
„Sind sie wohl und du weißt das, Dad. Himmel, du beginnst all deine Touristenshows mit dem Satz ‚Koalas schlafen zweiundzwanzig Stunden am Tag, weil sie vom Eukalyptus high werden.‘“
„Ach, das stimmt nicht.“
„Tut es nicht.“
„Tut es nicht?“
„Nein, tut es nicht?“
„Nein tut es nicht“, bestätigt Dennis.
„Was? Wieso erzählst du es dann allen?“
„Die Touristen finden das lustig.“
„Was ist hier los?“ Endgültig verwirrt verwirft Jake seine Hände. „Und weshalb sagt mir das keiner?“
„Du willst Komiker sein und ich soll dir erklären, was lustig ist?“, stichelt der Koalafachmann.
„Soll er es erklären?“
„Was? Nicht das“, holt der Sohn aus und verzweifelt so langsam. „Das mit den Koalas, dass sie nicht high sind.“
„Weil es lustig ist.“
„Es ist lustig, Touristen über Koalas anzuflunkern, dazu noch deinen eigenen Sohn? Das verstehe ich nicht.“
„Sagte ich ja, du hast keinen Humor.“
„Ja, sagte er.“
„Oh mein Gott!“, stöhnt Jake.
„Lass Gott aus dem Spiel“, scheltet der Alte mit erhobenem Zeigefinger.
„Gott ist nicht im Spie…“
„Dottie“, funken ihr beide dazwischen.
„Du hast ihn reingebracht, Dad.“
„Hab ich nicht.“
„Hat er nicht.“
„Würd ich nie“, beteuert der Vater sich bekreuzigend.
„Würd er nie.“
„Hat er aber.“
„Wann?“
„Vorhin. Vor zwei Minuten.“
„Blödsinn.“
„Dad, wenn es um Gott geht, lügt man nicht. Das ist schlechtes Karma.“
„Was hat der Strauß damit am Hut?“
„Der Strauß hat einen Hut?“, wundert sie sich in Richtung des Straußengeheges schauend.
„Dottie!“
„Nicht der Strauß ‚Karma‘, sondern das Karma ‚Karma‘“, erläutert Jake und atmet erschöpft durch.
„Und das soll jetzt lustig sein?“
„Nein, wieso sollte es?“
„Du bist der Komiker.“
„Ist er das?“
„Behauptet er.“ Dennis grinst erst Dottie, dann Jake an, ehe er seine Lesebrille vom Tisch nimmt. „Du redest zu viel, Junge. Hast du von deiner Mutter.“
„Ja, von Ma.“
„Die hatte auch verbale Inkontinenz, wie ihre Mutter davor. Herrje, was für eine schreckliche Frau.“
„Dad!“ Entrüstet weicht Jake einen Schritt zurück.
„Was? Nein, nein. Nicht deine Mutter. Deine Großmutter.“
„Auch das ist schlecht fürs Karma.“
„Was ist schlecht für Karma, der Hut?“
„Nicht der Strauß.“
„Ihr seid unmöglich.“
„Sind wir das?“
„Sind wir?“
„Seid ihr. Und dumm noch dazu.“
„Also, Junge, das ist nun wirklich nicht witzig.“
„Ich wollte keinen Witz machen, Dad, so funktioniert Comedy ni… Nein, wisst ihr was? Es ist witzlos, mit euch zu diskutieren!“
„Wie ich sagte, du bist nicht witzig.“
„Bist du nicht.“

Autorin: Rahel
Setting: Koalareservat
Clues: Nasenstüber, Inkontinenz, Karma, Passion, Verständnislosigkeit
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