Fan-Bonus | Corleones Ende

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„Einen letzten noch“, brummte Carter, was Milton dazu bewegte, ein verächtliches Schnauben von sich zu geben. Er nickte in Richtung der Bier-Werbeuhr, deren Zeiger bereits eine Dreiviertelstunde nach Mitternacht[passster password=“rE498-4721dsf“] verkündeten. „John?“
John, der Barkeeper stellte ein Glas beiseite und wandte sich ihnen zu. „Ja?“
„Gib dem alten Saufaus nix mehr, wir sollten los.“
„Klar“, lachte John. „Ich mache sowieso in einer Viertelstunde zu.“ Die beiden Gauner standen auf und Carter hob einen Kanister hoch, ehe Milton seine zerkratze Lederjacke vom Wandhaken pflückte.

Milton stand beim Kanister und rauchte seine Kippe, die im schwach beleuchteten Hof nahezu hell wirkte. Er hörte Carters Stöhnen, gepaart mit einigen wesentlich weniger appetitlichen Geräuschen, die aus einer dunklen Seitengasse zu ihm drangen. „Wieso musst du Arsch gerade heute Dünnpfiff haben? Du solltest weniger saufen und mit dem ganzen Fastfood aufhören, das killt dich eines Tages!“
„Halt die Fresse!“, hallte es dumpfe durch den Hinterhof. „Ich bin gleich so weit.“ Nach einer kurzen Pause folgte die Frage: „Haste Taschentücher dabei?“
Mit einer übertrieben stereotypen Geste führte Milton seine Hand zur Stirn und seufzte. „Ja, nur bring ich sie dir nicht, da hinten stinkt es nämlich.“ Nach mehrfachem Flehen seitens seines unausstehlichen Begleiters, erbarmte sich Milton: „Okay, warte.“ Er kramte ein Taschentuchpäckchen aus seiner Jeans, schlenderte zur Gasse und warf es hinein. „Da.“ So rasch wie möglich kehrte er zu seinem Kanister zurück, er wollte keine Sekunde länger als notwendig bei dem Gestank verweilen. Carters Gezeter begleitete ihn auf seiner Flucht: „Sag mal, hast du sie noch alle? Wo hast du das Ding hingeworfen?“

Ein großer Truck kam mit quietschenden Bremsen zum Stehen und Milton lehnte beim Kanister an die bröckelnde Ziegelmauer des Tankstellenshops. Zu gerne hätte er sich jetzt eine Fluppe angezündet, aber nein, das durfte man ja heutzutage nicht mehr an der Tanke rauchen, dachte er entnervt. Stattdessen beobachtete Milton einen überaus fetten Nachtfalter, der um die grellen Xenon-Lampen schwirrte, an der er sich zweifelsohne verbrennen würde. „Apropos verbrennen …“, murmelte Milton und glotzte auf den roten Benzinkanister. Wenn das so weiterginge, wäre der Boss am Ende der Nacht sehr unglücklich. Was fiel dem Kerl auch ein, seinen unfähigen Alki-Neffen, der Dünnpfiff hatte, mitzuschicken? Der einzige Grund, Carter in der Familie zu dulden, war, dass er tatsächlich zur Familie gehörte. Anders als Milton, der normalerweise seinen Job gut machte, doch trotzdem schlechter dastand als die verwandten Vollidioten, die nix gebacken kriegten. Man durfte hoffen. Hoffen, sie kratzten bei Job-Unfällen wegen ihrer eigenen Dummheit ab und wenn nicht, nun, dann müsste Milton eben nachhelfen.
Ein toter, fetter Nachtfalter klatschte vor seine Füße und Milton gab ein angeekeltes Quieken von sich. Entschlossen drehte er sich wieder zum Tankstellenshop, in dem Carter mittlerweile Kleingeld auf der Glasplatte des Tresens ausgebreitet hatte. Wie lange brauchte man, ein paar verdammte Kippen zu kaufen? Miltons Finger wanderten zur Knarre in seiner Jackentasche und er beherrschte sich, sie nicht einfach zu ziehen, hineinzumarschieren und dem Idioten in den Kopf zu schießen. Jede Jury würde es ihm als Verzweiflungstat anerkennen, daran hegte er keinen Zweifel.

Übellaunig streckte sich Milton beim Kanister auf der Landstraße, während Carter, dieser gehirnamputierte Halbaffe, den Tankdeckel zuschraubte und fröhlich sagte: „So, siehste, alles halb so wild.“
Genug war genug, Milton platzte der Kragen. „Du hast soeben die Hälfte des Benzins, das wir brauchen, um das Corleone‘s abzufackeln in den Tank deines Wagens gekippt, weil du Hornochse vergessen hast, zu tanken!“ Carter setzte zu einer Antwort an, allerdings kam er ihm zuvor: „Und das ist nicht alles, nein! Du hast die Adresse vergessen, dich volllaufen lassen, wir mussten dreimal anhalten, damit du kacken kannst und Kippen wolltest du auch noch haben! Dir ist schon bewusst, ohne deinen netten Onkel wärst du kein Gangster.“
„Ja, und?“ Carter starrte ihn aus Glubschaugen, die einem Schlachtrind würdig gewesen wären, an.
„Mir reicht’s!“ Milton zog die Waffe und drückte ab. Ein Knall nach dem anderen dröhnte über die Wiesen, brachte die Grillen sowie Carter zum Verstummen – letzteren endgültig. Milton verharrte reglos, betätigte weitere zweimal den Abzug, was aber bloß mit einem Klicken quittiert wurde. Das Magazin war leer. Er sah auf den Leichnam am Boden und brach schließlich in hysterischen Gelächter aus. Endlich hatten die Qualen ein Ende, endlich musste er sich nicht mehr das sinnlose Gebrabbel anhören, endlich war er frei. Langsam dämmerte ihm, er brauchte eine solide Erklärung für Carters Ableben, sofern er ihm nicht ins Grab zu folgen gedachte.

Zu der Melodie von „Woke Up This Morning“, mit einem Benzinkanister neben sich sowie einer Leiche im Kofferraum lenkte Milton den Wagen in den Vorort, in dem das Corleone’s lag. Sein Plan war bombenfest, da war er zuversichtlich. Gutgelaunt erzählte er: „Weißt du, es ist eine Schande.“ Es war das erste Mal, dass Carter ihn nicht unterbrach oder ihm sonst wie auf den Keks ging. „Deine Leiche und meine unregistrierte Waffe werden im Feuer zusammen mit Corleone verbrennen. Schade eigentlich, ich mochte das Schießeisen. Naja … Jeder wird mir glauben, wenn ich behaupte, der alte Corleone habe dich beim Zündeln überrascht. Kein Verdacht fällt auf mich.“
Milton setzte den Blinker und hielt vor dem Stoppschild, denn wie jeder Gangster, der zu einem Verbrechen fuhr, wollte er nicht auffallen. Noch zwei Blocks. „Na, was meinst du?“, erkundigte er sich mit einem Blick über die Schulter. „Ich bin genial, was? Und du bist wirklich zu was nütze. Wir wären gute Freunde geworden, hätten wir uns erst getroffen, nachdem du schon tot warst.“
Noch ein Block, stellte Milton zufrieden fest, als plötzlich Blaulichter durch die Nacht zuckten. „Was zum Teufel?“
Er verlangsamte den Wagen etwas, bevor er aus der Allee zu Corleone’s fuhr. Statt dem italienischen Restaurant entdeckte er jedoch nur eine kokelnde Ruine, die von Polizei- und Feuerwehrwagen umgeben war. „Scheiße!“
Milton musste erfahren was geschehen war, Cops hin oder her. Kurz entschlossen parkte er am Straßenrand, stieg aus und ging auf den nächsten Gaffer zu, dessen Karohemd sich über dem fülligen Bauch spannte. „Was ist denn hier los?“
„Ist ein Restaurant, also wohl ein Ölbrand“, meinte dieser schulterzuckend. „Sowas passiert andauernd.“
„Und der alte Corleone? Hat er überlebt?“
„Ich glaube nicht, sie haben vorhin einen verkohlten Leichnam aus den Trümmern gezogen“, gab der Gaffer gleichgültig zurück. „Bis zur Unkenntlichkeit entstellt, ist ein Fall für den Zahnarzt. So viel Fett rennt schlecht, brennt dafür umso besser.“
Frustriert schlug Milton auf das Dach seines Wagens und schrie: „Scheiße, scheiße, scheiße!“

Autorin: Sarah
Setting: Beim Kanister
Clues: Wandhaken, Zeiger, Verzweiflungstat, Dünnpfiff, Glasplatte
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