Road Trip | Mutters Schande

Dies ist der 3. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Road Trip“.

Mein knochiger Finger berührt den Pause-Button des CD-Players und bringt die Musik zum Verstummen, ehe ich die Scheinwerfer des alten Wagens ausmache und ihn möglichst unauffällig, also durchaus auffällig, mitten auf der Hauptstraße der Geisterstadt zum Halten bringe. Mit einem Knirschen traktieren dabei die Reifen einige kleine Steine, die früher einmal, damals, als es noch Postkutschen gab, zur Wand des „General Store“ gehörten. Seit Äonen lebt an diesem Ort niemand mehr außer einigen Eidechsen und Nattern, die sich tagsüber auf den Ruinen sonnen; ein gutes Versteck. Anders als die Wüstentiere, die Sonnen- der Mondeshitze vorziehen, in erster Linie, weil der Mond alles […] Weiterlesen

Wissen ist Macht | Im Untergrund

Dies ist der 6. Teil der Fortsetzungsgeschichte „Wissen ist Macht“.

„Im Wasser hört dich niemand schreien“, beendete ich zu dramatisch das Schauermärchen, das ich frei aus meinem Kopf erzählte und wandte mich dem Panoramafenster zu. Ohne die Außenbeleuchtung des Anwesens konnte man jedoch lediglich das eigene Spiegelbild erkennen, dafür war das Gebäude hier im Marianengraben schlicht und ergreifend zu weit unter dem Meeresspiegel. Mein schwarzer Lidschatten wirkte verwischt, wahrscheinlich hatte ich mir irgendwann in die Augen gefasst – es war ein langer Tag gewesen, wenn man denn der ewigen Dunkelheit an der tiefsten Stelle des Meeres etwas wie Tageszeiten zugestehen mochte. […] Weiterlesen

Niederlage am Marsfeld

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

„Hast du gewusst, dass man Nachtbilder von Paris nicht kommerziell nutzen darf, wenn der beleuchtete Eiffelturm drauf ist?“, fragte Amélie und sah von ihrem Fensterplatz auf die nächtliche Stadt hinunter und lauschte der Blues-Musik, die im Restaurant spielte. Einzelne Schneeflocken wehten in die Tiefe, doch es war zu kalt um wirklich zu schneien. Steven sah von seinem Teller auf und erkundigte sich: „Wieso?“ Er hatte sich längst daran gewöhnt, dass Amélie ein unerschöpflicher Brunnen an unnützem Wissen war und hatte seinen Spass daran, hier und da immer wieder zufällige Fakten zu hören zu bekommen.
„Ganz einfach“, erklärte sie und legte die Gabel weg, während sie sprach. „Die Firma, die […] Weiterlesen

Alles wird gut

Diese Story ist auch als Hörgeschichte erschienen.

Ich liege auf dem mit Unrat übersäten und schmutzigen Teppichboden und habe das Gefühl, dass sich Raum und Zeit in die Ewigkeit ausdehnen. Ich weiß nicht mehr, welcher Tag es ist und es spielte auch keine Rolle mehr. Das Linux-Handbuch, aus naheliegenden Gründen eines der wenigen Dinge in meinem Blickfeld, liegt aufgeschlagen da, während der Wind, welcher durch zerbrochenen Fenster weht, manchmal eine Seite umblättert. Immer dieselbe Seite, hin und zurück, eine der wenigen willkommenen Abwechslungen in meiner, den Umständen entsprechend eingeschränkten, Wahrnehmung. Das Wasser in der Sprühflasche, die wegen der nunmehr vertrockneten Zimmerpflanzen in einer Ecke […] Weiterlesen